Du hast auf deinem Smartphone unzählige gespeicherte Instagram-Posts. Du hast Notizen aus Podcast-Folgen, die dich wirklich inspiriert haben. Du hast jede Menge Screenshots von coolen Slides, die du bei LinkedIn und Co. gefunden hast. Vielleicht hast du sogar schon ein Freebie erstellt, das gut funktioniert, oder einen Minikurs entwickelt.
Dein Kopf ist voll mit Marketing-Tipps und Ratschlägen: „Poste regelmäßig“, „Zeig deine Persönlichkeit“, „Du brauchst eine klare Nische“, „Mach jetzt mehr Storytelling“, „Schreib den Newsletter“. Und während all diese Dinge in deinem Kopf kreisen, sitzt du da und denkst die ganze Zeit: Aber warum bringt das denn alles nichts?
Du weißt so viel. Aber es trägt nicht.
Und genau da beginnt der Frust.
Die unbequeme Wahrheit über Marketing-Tipps
Die unbequeme Wahrheit über alle diese Marketing-Tipps ist: Sie haben alle das gleiche Problem. Sie tun so, als wären sie universell für jeden und in jeder Situation einsetzbar. Aber Marketing ist kein willkürliches Baukastensystem, wo du einfach ein Teil austauschst und plötzlich läuft alles.
Marketing-Tipp #1: „Du musst regelmäßig posten“
Ja, okay, stimmt. Aber die entscheidenden Fragen bleiben unbeantwortet:
- Worüber sollst du posten?
- Für wen sollst du posten?
- Mit welchem Ziel sollst du Beiträge verfassen?
Wenn du dein Angebot noch gar nicht klar greifen kannst, dann wird regelmäßiges Posten zu einer reinen Beschäftigungstherapie. Ja, natürlich wirst du zwangsläufig irgendwann sichtbar – aber völlig ohne Richtung. Und davon hast du gar nichts.
Marketing-Tipp #2: „Zeig mehr Persönlichkeit“
Auch dieser Ratschlag klingt total gut. Und wieder kommen sofort die Fragen:
- Was heißt das konkret?
- Musst du privater werden?
- Musst du mehr von dir zeigen?
- Musst du irgendwie mutiger, cooler, taffer, professioneller rüberkommen?
Alle diese Fragen helfen dir gar nicht weiter, denn deine unternehmerische Persönlichkeit liegt gar nicht im Privaten. Sie zeigt sich vielmehr in:
- Deiner Haltung
- Deinen Entscheidungen
- Deinem ganz persönlichen und individuellen Blick auf Design
- Deiner Art der Zusammenarbeit mit Kunden
Ohne Klarheit darüber fühlt sich dieses „Zeig mehr Persönlichkeit“ einfach nur nackt an. Wo willst du anknüpfen?
Marketing-Tipp #3: „Du brauchst eine klare Nische“
Ja, ich bin auch ein großer Verfechter davon, mit einer klaren Spezialisierung zu arbeiten. Aber eine Nische alleine ist kein Marketing-Gimmick.
Wenn du dein eigenes Angebot selbst noch ganz unscharf wahrnimmst und gar nicht genau weißt, wie du es am besten machst, dann fühlt sich dieser Tipp an wie ein Korsett, das man von außen drüberstülpt.
Sofort sind Fragen im Kopf:
- Was, wenn ich mich jetzt falsch festlege?
- Was, wenn ich jetzt etwas entscheide, das gar nicht zu mir passt?
- Was, wenn ich meine Kunden verliere in dem Moment, wo ich sage: „Ich mache jetzt nur noch XY“?
Während du nach außen nickst – „Ja, alles klar, ich brauche eine klare Nische“ – veränderst du nach innen überhaupt gar nichts. Weil für dich einfach nicht klar ist, was deine Spezialisierung, deine Nische überhaupt ausmacht.
Warum diese Tipps scheitern
Alle diese Tipps scheitern. Und das ist ein ganz entscheidender Punkt: Nicht, weil sie falsch sind, sondern weil sie in der falschen Reihenfolge kommen. Sie scheitern, weil sie zur falschen Zeit bei dir ankommen.
Die klassische (falsche) Marketing-Reihenfolge
Ganz viele Designer – und nicht nur Designer, sondern generell Selbstständige – versuchen ihr Marketing in dieser Reihenfolge aufzubauen:
- Content → Wenn du Content hast und regelmäßig postest…
- Sichtbarkeit → …bekommst du Sichtbarkeit…
- Reichweite → …und dann natürlich Reichweite…
- Anfragen → …und dann kommen die Anfragen von ganz alleine
Das klingt erstmal logisch und schlüssig. Aber eigentlich sind ganz entscheidende Steps ausgelassen, und eigentlich braucht es eine ganz andere Reihenfolge.
Die richtige Reihenfolge: Klarheit vor Content
Bevor du überhaupt an das Thema Content denken kannst, muss dir erstmal klar sein:
- Was biete ich überhaupt an?
- Für wen?
- Welches Problem löse ich?
- Warum sollte jemand mit mir zusammenarbeiten?
Bevor du dich um Sichtbarkeit kümmerst, brauchst du einen klaren Fokus:
- Sichtbarkeit wofür?
- Bei wem?
- Mit welchem Ziel?
Und beim Thema Ziel sind wir an einem ganz wichtigen Punkt: Bevor du irgendwelche Aktionen startest, musst du wissen, mit welchem Ziel du das Ganze machst. Marketing ohne klares Ziel bringt dir nichts.
Drei typische Marketing-Fallen im Designeralltag
Falle #1: Website versus Marketing
Du willst Marketing machen, aber innerlich denkst du: „Meine Website ist eigentlich veraltet und fühlt sich gar nicht mehr stimmig an.“ Dieser klassische Zwiespalt zwischen Website und Marketing führt dazu, dass:
- Du nichts postest
- Oder nur halbherzig Beiträge veröffentlichst
- Du ständig das Gefühl hast, nicht aufs Ganze gehen zu können
- Du kaschieren musst, dass deine Website nicht so richtig gut aussieht
Das ist nicht, weil du es nicht kannst, weil du nicht professionell bist oder weil du unfähig bist. Sondern einfach, weil das Fundament für dein Marketing wackelt.
Falle #2: Angebot versus Content
Natürlich sollst du über deine Arbeit sprechen im Marketing. Ist ja auch logisch. Keiner von uns macht Marketing, weil wir Langeweile haben – wir wollen alle neue Designaufträge damit bekommen.
Aber vielleicht:
- Kannst du dein Angebot noch gar nicht in einem Satz erklären
- Kannst du gar nicht genau sagen, für wen du arbeitest
- Hast du ganz viele unterschiedliche Projektarten, die du anbietest
- Weißt du gar nicht genau, was dein Designschwerpunkt ist
Wenn du jetzt Content veröffentlichst, dann fühlt sich das jedes Mal wie Rätselraten an:
- Ist das jetzt relevant – ja oder nein?
- Passt das überhaupt zu mir – ja oder nein?
- Hilft mir das bei dem, was ich machen will? Keine Ahnung.
So funktioniert Marketing auf gar keinen Fall. Das ist kein schönes Gefühl.
Falle #3: Zu viele Marketing-Kanäle gleichzeitig
Instagram, LinkedIn, Newsletter, Pinterest – du kannst beliebig noch was dransetzen. Das klingt alles total sinnvoll, und diese Marketing-Kanäle funktionieren auch. Jeder einzelne für sich betrachtet kann ein absolut wertvoller Baustein in deinem Marketing-Mix sein.
Aber ohne klare Entscheidung – welche Kanäle funktionieren für dich? Warum funktionieren sie? Was kannst du aus unternehmerischer Sicht einfach rausstreichen? – hast du einfach nur super krassen Dauerstress.
Und weil du Dauerstress hast und gar nicht weißt, was du zuerst machen sollst, machst du gar nichts. Und weil du im Marketing nichts machst, aber dir das ja eigentlich vorgenommen hattest, hast du ein schlechtes Gewissen und dieses Gefühl, überall hinterherzuhinken.
Und das dauert nicht lange. Dann ist natürlich sofort dieser Gedanke da: „Okay, ich habe es probiert, aber für mich ist Marketing einfach nichts.“ Dabei stimmt das so nicht.
Marketing als System denken & nicht als To-do-Liste
Marketing wird immer dann spannend und fängt immer dann an zu funktionieren, wenn du es anders denkst. Nicht als einzelne Aufgaben, sondern wirklich als ein gesamtes System.
System heißt hier nicht „alles auf einmal machen“, sondern wirklich ganz klar entscheiden:
- Wie baust du die Dinge aufeinander auf?
- Was ist wann dran?
- Was ist eben auch nicht dran?
Der Unterschied, den Klarheit macht
Hier ein ganz praktisches Beispiel: Wenn du weißt…
- Für wen arbeitest du?
- Was ist dein Design-Schwerpunkt?
- Welches Ziel hast du gerade in deinem Marketing?
…dann passiert etwas total Spannendes:
Der Content, den du erstellst – und das ist völlig unabhängig vom Marketing-Kanal – fühlt sich nicht mehr ausgedacht und erfunden an. Er ergibt sich völlig selbstverständlich. Dann wird aus diesem oft gar nicht mit einer guten Emotion belegten „Ich muss noch posten“ ein ganz klares „Ich weiß genau, was ich sagen will“.
In Kampagnen denken statt in Endlosschleifen
Genau deshalb arbeite ich in meinem Marketing-Programm Create Your Marketing immer mit klaren Schritten und immer in Kampagnen.
Kampagnen heißt:
- Es gibt ein Thema
- Es gibt einen Anfang
- Es gibt ein Ende
Genau zu wissen, wie dieser Spannungsbogen ist – Okay, was will ich eigentlich? Warum will ich das Ganze? In welchem Zeitrahmen will ich das? – das nimmt extrem viel Druck raus. Marketing ist nicht mehr ein „Ich muss ständig sichtbar sein“, sondern ein „Ich arbeite jetzt ganz gezielt an diesem einen Thema“.
Und das ist tatsächlich für die meisten Designer ein echter Gamechanger.
Die klaren Grenzen: Was Marketing nicht leisten kann
An dieser Stelle ist mir eins noch mal ganz wichtig, und das sage ich auch ganz bewusst und klar: Marketing ist kein Schnellschuss. Das ist kein Notfallknopf. Und es ist kein Ersatz für fehlende Klarheit. Es gibt eindeutig Grenzen für das, was Marketing leisten kann.
Wenn du sofort neue Anfragen brauchst
Marketing wirkt nicht sofort – das muss dir einfach klar sein. Marketing wirkt immer zeitverzögert. Etwas, was du heute machst:
- Zeigt heute noch keine Ergebnisse
- Zeigt auch morgen noch keine Ergebnisse
- Aber übermorgen
- Und den Tag danach
- Und danach
- Und danach
Wenn du konstant am Ball bleibst, dann hast du auch konstant die Möglichkeit, immer wieder ganz aktiv dein Business zu beeinflussen. Also ja, Marketing wirkt verzögert, aber dafür total nachhaltig.
Falsche Erwartungen sind der wahre Killer
Genau deswegen scheitern ganz viele Designerinnen und Designer nicht an der Umsetzung von Marketing, sondern einfach daran, dass sie völlig falsche Erwartungen haben. Wenn du hoffst, dass du heute etwas tust und sofort Ergebnisse siehst, dann ist es klar, dass du irgendwann von Marketing völlig frustriert bist und immer das Gefühl hast, es funktioniert nicht für dich.
Deine Erwartung war einfach falsch – aber nicht dein Handeln.
Was du aus diesem Artikel mitnimmst
Wenn du dich in diesem Artikel wiedergefunden hast, dann nimm bitte diese eine Sache mit: Du hast nicht zu wenig gemacht. Du hast einfach nur ohne System gearbeitet. Das ist überhaupt kein Makel, sondern das ist wirklich ein toller Punkt, an dem Veränderung für dich möglich ist.
Marketing funktioniert dann, wenn:
- Du Klarheit vor Content stellst
- Du Fokus vor Sichtbarkeit setzt
- Du dein Ziel vor der Aktion definierst
- Du in Kampagnen statt in Endlosschleifen denkst
- Du Marketing als System begreifst, nicht als To-do-Liste
Der Unterschied zwischen frustrierendem und funktionierendem Marketing liegt nicht in der Menge dessen, was du tust, sondern in der Reihenfolge und der Klarheit, mit der du es angehst.
FAQs: Warum Marketing-Tipps nicht funktionieren
Warum funktionieren Marketing-Tipps bei mir nicht?
Marketing-Tipps funktionieren oft nicht, weil sie zur falschen Zeit kommen – nicht weil sie grundsätzlich falsch sind. Ohne Klarheit über dein Angebot, deine Zielgruppe und deine Ziele wirken selbst gute Tipps wie „Poste regelmäßig“ oder „Zeig mehr Persönlichkeit“ wie leere Handlungsanweisungen. Du brauchst erst das Fundament, bevor die Tipps greifen können.
Wie lange dauert es, bis Marketing Ergebnisse zeigt?
Marketing wirkt immer zeitverzögert, nicht sofort. Was du heute tust, zeigt sich oft erst in Wochen oder Monaten. Dafür ist die Wirkung nachhaltig: Wenn du konstant am Ball bleibst, bekommst du konstante Ergebnisse. Marketing ist kein Notfallknopf für sofortige Anfragen, sondern ein langfristiges System.
Muss ich wirklich auf allen Social-Media-Kanälen präsent sein?
Nein, definitiv nicht. Zu viele Kanäle gleichzeitig führen zu Dauerstress und dem Gefühl, überall hinterherzuhinken. Besser ist es, eine klare Entscheidung zu treffen: Welche Kanäle funktionieren für dich? Welche kannst du aus unternehmerischer Sicht streichen? Qualität und Konstanz auf einem Kanal sind wertvoller als halbherzige Präsenz überall.
Was bedeutet „Marketing als System“ konkret?
Marketing als System heißt, die Dinge in der richtigen Reihenfolge aufzubauen: Erst Klarheit über dein Angebot, dann Fokus für deine Sichtbarkeit, dann Ziele für deine Aktionen. Es bedeutet auch, in Kampagnen zu denken (mit Anfang, Thema und Ende) statt in endlosen To-do-Listen. So wird aus „Ich muss posten“ ein „Ich weiß genau, was ich sagen will“.
Wie finde ich meine Marketing-Nische als Designer?
Eine Nische entwickelt sich aus der Klarheit über dein Angebot. Frag dich: Was ist dein Designschwerpunkt? Für wen arbeitest du am liebsten? Welches Problem löst du? Die Nische ist kein Marketing-Gimmick, das du dir von außen überstülpst, sondern ergibt sich aus deiner Haltung, deinen Entscheidungen und deinem individuellen Blick auf Design und Zusammenarbeit.
Warum fühlt sich Content erstellen so schwer an?
Content fühlt sich schwer an, wenn das Fundament fehlt. Ohne Klarheit über dein Angebot wird jeder Post zum Rätselraten: Ist das relevant? Passt das zu mir? Hilft mir das? Sobald du weißt, für wen du arbeitest und welches Ziel dein Marketing hat, ergibt sich Content fast von selbst – er fühlt sich nicht mehr erfunden, sondern selbstverständlich an.
Brauche ich eine perfekte Website, bevor ich mit Marketing starte?
Nein, aber deine Website sollte stimmig genug sein, dass du dich beim Marketing nicht ständig unwohl fühlst. Wenn du innerlich denkst „Meine Website ist veraltet“, wird das dein Marketing sabotieren – du postest halbherzig oder hast das Gefühl, etwas kaschieren zu müssen. Arbeite parallel: Schaffe ein solides Fundament (Website + Angebot), bevor du voll ins Marketing gehst.
Was ist der erste Schritt für besseres Marketing?
Der erste Schritt ist nicht mehr Content zu produzieren, sondern Klarheit zu schaffen. Beantworte diese Fragen: Was bietest du an? Für wen? Welches Problem löst du? Warum sollte jemand mit dir zusammenarbeiten? Erst wenn diese Grundlagen stehen, macht es Sinn, über Content, Sichtbarkeit oder Reichweite nachzudenken.












