Vom Wein zum Design und zum eigenen Magazin – Interview mit Anna Schumann

Angefangen hat Anna Schumann als Winzerin, um dann viele Jahre als Designerin zu arbeiten. Heute ist Anna die Herausgeberin vom Magazin “Saftig”. Über ihren Schritt vom Design zum eigenen Magazin sprechen wir heute im Interview.
Interview mit Anna Schumann vom Magazin "Saftig"

Gudrun: Hallo Anna, wie schön, dass du heute bei Achtung Designer im Interview bist. Denn du hast ja einen ganz spannenden Weg hinter dir: Vom Wein zum Design hin zu deinem eigenen Magazin. Darüber wollen wir heute sprechen. Aber bevor wir loslegen, stell dich doch mal ganz kurz vor, damit die Leser wissen, wer Anna Schumann ist und was du machst.

Anna: Liebe Gudrun, vielen Dank für die Einladung zu diesem Gespräch. Ich freue mich sehr. Mein Weg ist spannend. Mein Vater hat mir damals gesagt, als ich kurz vor dem Abitur in München stand, ich sollte doch etwas mit Wein machen. Denn er trinkt so gerne Wein. Und es wäre so praktisch, wenn ich ein Weingut hätte, weil er dann einfach bei mir einkaufen könnte. Da ich schon Wein getrunken habe, dachte ich: “Ja, klingt gut, machst mal ein Praktikum.” So bin ich in der Südsteiermark in Österreich gelandet.

Die haben bekanntlicherweise sehr guten Wein. Dort habe ich als Praktikantin angefangen, war im Weinkeller, im Weingarten, habe alle Arbeiten kennengelernt und war auch im Vertrieb tätig, in der Logistik, am Kunden, im Verkauf. Das war super spannend, denn ein Weingut ist einer der wenigen Orte, wo wirklich alles vom Rohprodukt bis zum Endkunden passiert und man das selber erlebt. Und das finde ich sehr bereichernd in dieser globalisierten, sehr kleinteiligen Welt in der wir leben.

Da war ich dann sechseinhalb Jahre, bis ich mir gedacht habe, dass ich mehr erleben möchte als meinen Lehrbetrieb. Ich bin dann nach Wien gekommen und habe ein Jahr als Sales Manager gearbeitet. Das war sehr finanz- und leistungsorientiert. War nicht so mein Ding, war aber trotzdem spannend. Ich habe ganz, ganz liebe Menschen kennengelernt, die ich bis heute meine Freunde nennen darf.

Dann ging es weiter ins Burgenland, wo es einen tollen Rotwein gibt. Dort habe ich eine kleine Ortsvinothek übernommen. Also wirklich sehr, sehr beschaulich und klein. Verkauft wurden nur die Weine vom Ort und es war sehr dörflich, sehr romantisch, sehr Fuchs und Hase, die sich gute Nacht sagen.

Gudrun: Und es klingt wirklich auch sehr schön einfach.

Anna: Ja, das war es wirklich. Ich habe das sehr genossen, auch mit den Menschen zu sprechen. Ich mag es sehr, jemanden etwas zu empfehlen und herauszuhören, wer braucht was? Ich habe mir nie Namen gemerkt, aber immer, welchen Wein Sie gekauft haben.

Dann brauchte ich für die Vinothek eine Website mit Shop. Diese konnte ich mir damals von einem Designbüro oder einer Agentur nicht leisten. Deswegen habe ich mich selber dahinter geklemmt und daraus ist eine Werbeagentur geworden. Schnell habe ich dann angefangen, für Kunden Postkarten zu entwerfen und habe mich in die Programme reingeguckt und war ganz fasziniert. Auch von allem Technischen, das im Design möglich ist. Und die Kombination hat mich fasziniert – kreativ zu sein, das dann auch umzusetzen und den Nerv vom Kunden zu treffen. So arbeite ich bis heute für meine Kunden.

Die Vinothek habe ich dann aufgrund der Öffnungszeiten verlassen. Es war meistens am Wochenende, also Donnerstag bis Sonntag, offen. Ich hatte dann schon ein Kind und das hat sich einfach mit Familienleben nicht vereinbaren können.

Gudrun: Und dann warst du im Design.

Anna: Dann war ich im Design und habe daran immer mehr Freude gehabt. Ich habe auch angefangen zu illustrieren. Mit einer ganz lieben Freundin ist 2021 ein Kinderbuch daraus entstanden, das ich illustriert habe. Das hat mir gezeigt, dass jetzt die Zeit gekommen ist meine Herzensprojekte aus der Schubladen zu holen. Denn die Idee, etwas hervorzubringen in Text und Bild, was saftig ist und mit Landwirtschaft und einer enkeltauglichen Zukunft zu tun hat, gibt es schon seit elf Jahren.

Gudrun: Okay, das schlummert also schon richtig lange.

Anna: Die Frage war nur, wie umsetzen und wie kann ich etwas entwickeln, so dass es für den Markt schön anzusehen ist, Mehrwert hat und so praktisch ist, dass es diese Idee und diese Vision wiedergeben kann. Zu diesem Zeitpunkt ist mein Saftig-Magazin gekommen.

Gudrun: Man merkt auf jeden Fall schon, dass du Herausforderungen nicht scheust und das Ideen dafür da sind Realität zu werden. Kleinstapeln ist nicht so dein Ding. Das merken wir. Lass mich das noch mal zusammenfassen. Das heißt, du hast ein Magazin ins Leben gerufen, dass es als Online- und Printversion gibt. Richtig?

Anna: Momentan ist eine Printausgabe im Jahr geplant und vier Online-Ausgaben, die aber visuell so wiedergegeben werden sollen, wie ein Magazin.

Gudrun: Wieso hast du dich für den Namen “Saftig” entscheiden? Das ist ein witziger, aber auch ungewöhnlicher Name für ein Magazin.

Anna: Vor gut einem Jahr hat alles angefangen in Schwung zu kommen. Da habe ich sozusagen nach außen gegriffen und nicht nur mit mir selber diskutiert, sondern mit anderen Menschen. Und “Saftig” war ein wunderschönes Zufallsprodukt.

Es hätte anders heißen sollen, und zwar “winesign” mit englischen Titel, der dann in Deutsch sein genauso funktioniert hätte. Das habe ich dann sogar als Marke angemeldet. Bei der Recherche bin ich leider über wen gestolpert, der das schon angemeldet hatte, es aber nicht benutzte. Postwendend kam dann drei Monate später ein dickes Briefpaket von einer Anwaltskanzlei, dass ich das bitte unterlassen sollte.

Ja, da musste ein neuer Name her. Und das war für mich extrem schwierig, weil es auf der einen Seite um Wein geht, aber um ganz, ganz viele andere Produkte und auch um Landwirtschaft. Und ich wollte in keine Nische eintreten. Genau das wäre ich aber mit “winesign”.

Also es ist gut, dass es so gekommen ist, denn “Saftig” ist ein Name, der auch im englischsprachigen Raum oder auch in anderen Sprachen funktioniert. Das war mir ganz, ganz wichtig, weil ich das dann auch ab nächsten Oktober im Englischen laufen lassen möchte. Die Plattform und das Magazin und “Saftig” bedeutet einfach: Wir sind im Saft, die Produkte sind im Saft und es fließt. Es fließt, es ist saftig. Es ist was da, es ist spritzig. Es ist erfrischend. Es hat so viele Bedeutungen und es ist für jeden etwas dabei.

Gudrun: Und man merkt direkt, dass du mit vollem Herzblut dabei bist. Ich weiß, dass du als Designerin immer wieder Websites umgesetzt hast. das heißt, dass du dich mit den Chancen und Herausforderungen der verschiedenen Endgeräte und Darstellungsmöglichkeiten von Onlineformaten auskennst. Auch vor dem Hintergrund, dass du eine Mehrsprachigkeit von Beginn an mitgedacht hast. Welchen Einfluss hatte das Wissen auf dein Konzept für das Online Magazin?

Anna: In diesen Teil ist ganz viel Hirnschmalz gegangen. Ich höre mich bewusst um und viele Menschen sagen, dass sie online keine Magazine lesen. Also war das ein erster Ansatzpunkt. Ich möchte aber unbedingt ein Online Magazin machen. Wie kann ich meinen Stoff anbieten, obwohl lesen online nicht so beliebt ist, hören aber schon?

Das war so der Punkt, wo ich gesagt habe: “saftig” muss lesbar und hörbar sein. Und zwar alles. Jeder Artikel, jeder Schnipsel. Es muss die Variante des Hörbaren da sein. Und es ist ja auch weiter gedacht. Es soll ja für alle da sein. Und wenn jemand Schwierigkeiten bei der Lesbarkeit hat, dann soll das auch machbar sein, dass man das hören kann.

Gudrun: Das heißt für mich, später als Endnutzer, dass ich dann quasi online entscheiden kann, ob ich es gerne lesen möchte oder hören?

Anna: Genau. Und die Desktop oder Tablet-Variante ist so aufgebaut, dass der Text im Vordergrund ist oder dass es einen kleinen Button gibt, eben wahlweise das Audio zu nutzen. Und die mobile Variante dort ist vom Design her so gedacht, dass der Audiopart präsenter ist. Was natürlich angenehmer ist.

Gudrun: An diesen Details merkt man einfach, dass du aus der tatsächlichen Praxis kommst. Für jemanden, dem diese ganze Vorerfahrung fehlt, wäre es sicher viel schwerer diese Entscheidungen gut und vorausschauend zu treffen. Aber du hast gesagt, dass auch der Printbereich mitgedacht ist. Wie kann ich mir das vorstellen? Du sagst “enkeltauglich sein” ist so wichtig für “Saftig”, wie hast du deine Printausgaben konzipiert?

Anna: Ich habe mich zum Beispiel auf die Suche nach einer Druckerei gemacht, die “enkeltauglich” druckt. Das heißt, es wird nach dem Cradle to Cradle-Verfahren gedruckt, dabei bleibt das Printprodukt im Kreislauf, auch mit einem Recyclingpapier. Natürlich ist es trotzdem ein Printprodukt. Deswegen erscheint es einmal im Jahr. In jeder Ausgabe gibt es dann auch immer Ideen, wie man es weiterverwenden kann. In der ersten Ausgabe gibt es Ideen, dass man Wimpel aus den wunderschönen, fotolastigen Seiten machen kann, die man dann z.B. für eine Gartenparty nutzen kann.

Gudrun: War das auch einer der Gründe, warum du dich für nur ein Printmagazin entscheiden hast und ansonsten den Fokus auf Online legst?

Anna: Jein. Also ich habe sehr viel recherchiert und auch bei professionellen Verlagen nachgefragt, wie sie das sehen. Es ist teils, teils. Der Buchmarkt erweitert sich witzigerweise. Da wird mehr und mehr gedruckt. E-Books sind auch so eine Sache, die wichtig ist, aber nebenher läuft. Dieser vergrößert sich jetzt nicht wirklich. Und bei Magazinen ist es doch so, dass die Menschen etwas in der Hand haben möchten.

Ich persönlich glaube, dass es eher die Tageszeitungen sind, die mehr in den digitalen Raum schlendern. Mit täglichen Ausgaben hat man schnell einen großen Stapel Papier. Ein Überfluss, den die meisten Menschen reduzieren möchten.

Für mich fiel darum die Wahl auf die Kombination aus Print und Online. Online hat viele Vorteile, doch ich mag auch etwas in den Händen halten. Haptik ist toll. Es hat einen ganz anderen Flair. Ich bin auch schon für die nächste Ausgabe dabei zu überlegen, was ich da noch reinpacken kann, damit man dann auch das Magazinen selber benutzen kann. Gibt es irgendeine Art und Weise, wie ich das Magazin noch wertiger für meine Leser machen kann?

Gudrun: Bei der Größe, die du für “Saftig” geplant hast, ist klar, dass du das nicht im Guten alleine schaffen kannst. Es wäre verdammt viel Arbeit. Und es würde sehr lang dauern. War es für dich von Beginn an klar, dass du mit einem Team arbeiten willst? Wie bist du da rangegangen? Und wie ist der Stand der Dinge?

Anna: Also grundsätzlich war ein Team klar. Ich bin auch ein Teamplayer. Ich arbeite wahnsinnig gerne im Team. Dadurch ergibt sich eine ganz eigene Dynamik, die dann in dem wiedererkennbar ist, was man tut. Es war noch nicht klar, in welchem Verhältnis wir dann zueinander stehen – ob es Freelancer sind, professionelle Agenturen, ob ich einfach ein Teil outsourcen oder ob ich direkt Menschen anstelle.

Es ist wieder ein Mix geworden. Ich merke, ich bin eine Mix Person. Ich habe eine Mitarbeiterin, die ich für 15 Stunden eingestellt habe. Sie ist meine Inspirationsquelle, auch wenn sie einen ganz anderen Blickwinkel hat. Sie kommt überhaupt nicht aus der Branche, hat damit gar nichts zu tun. Doch sie liebt Lebensmittel, hat einen Garten zu Hause und hat auch eine ganz erfrischende Art und Weise, etwas zu sehen und neugierig zu sein. Diese Kombination aus meinem internen Wissen und ihrem erfrischenden Blick von der anderen Seite, funktioniert super. Dann habe ich noch eine Grafikdesignerin, die mir sozusagen die Reinzeichnungen macht. Mit ihr ist auch das Logo entstanden.

Dann habe ich noch einen tollen Programmierer gefunden. Er kann auch so gut wie alles, ist sehr fix und schnell und hat eine Vorstellungskraft. Seine Freundin ist Grafikdesignerin und deswegen kann ich mit ihm einfach alle möglichen durchspielen und testen, wie das aussehen soll. Das Thema Team wird noch weiter gehen. Wie sehen wir dann im nächsten Jahr.

Gudrun: Man darf ja nicht vergessen, dass du noch in den Startlöchern bist. Es ist nicht so, dass du schon 30 Ausgaben im Hintergrund hast. Du willst jetzt anfangen und was richtig Cooles auf die Beine stellen.

Anna: Genau das ist der Stand der Dinge. Ich bin so zwischen erster Printausgabe und erster Onlineausgabe, die im Oktober gelauncht wird. Und das ist auch total aufregend, weil im Hintergrund natürlich die Räder heiß laufen, wie man das jetzt alles wirklich umsetzt, was man möchte und wie das überhaupt möglich ist.

Gudrun: Anna, lass uns doch mal zum Thema Finanzen rüberschwenken. Es gibt ja ganz viele unterschiedliche Konzepte oder Ideen, wie man so ein großes Projekt finanzieren kann. Eine reiche Erbschaft über viele Millionen schließe ich jetzt bei dir einfach mal aus. Man könnte ja zum Beispiel Kooperationen eingehen, bezahlte Artikel veröffentlichen, Anzeigen schalten oder auf Affiliate setzen. Ich weiß aber, dass du dich für ein Abo Modell entschieden hast. Wenn ich sage, ich möchte unbedingt Teil ein Teil von “Saftig” sein, wie komme ich ins Abo Modell bei dir rein? Warum hast du dich für diesen Weg als primäre Finanzierung entschieden?

Anna: Es ist planbarer und ich habe die Freiheit mir Kooperationen und Werbung ganz bewusst auszusuchen. Denn wenn sich jetzt jemand ein jährliches Abo nimmt, dann habe ich schon die Vorausschau und die Sicherheit, dass das für das nächste Jahr gewollt ist. Allein zu wissen, dass jemand auf “Saftig” wartet, ist schon mal ein Antrieb.

Auch sagen zu können, dass ich Kooperationen, Anzeigen etc. aus dem ganzen visuellen Konzept so gut wie es geht rausnehme, ist ein Luxus, den ich mir aber gern leisten möchte. Ich möchte ein angenehmes lesbares und hörbares Erlebnis für die Abonnenten.

Gudrun: Du hast ein ganz klares Konzept davon, wofür “Saftig” steht. Du sagst immer “enkeltauglich”. Das hat auch großen Einfluss auf die potenziellen Firmen, mit denen du dann vielleicht später zusammenarbeitest oder mit denen du Kooperationen eingehst. Die wirst du dir sicherlich sehr, sehr gezielt aussuchen, oder?

Anna: Genau so ist es. Jede Ausgabe hat auch ihr Leitthema. Im Oktober ist es beispielsweise “Holzgeflüster”. Es dreht sich rund um Holz, Wald, Landwirtschaft, die Produkte daraus und die Menschen die damit arbeiten. Und in diesem Zusammenhang gibt es genügend Produkte und Firmen, über die man schreiben kann. Die Kooperationen suche ich mir dann hauptsächlich im redaktionellen Stil. Das heißt, ich berichte über Menschen und Produkte, aber hauptsächlich über die Menschen und die Idee dahinter, die Vision dahinter und was das im Zusammenhang mit dem Hauptthema bewirkt.

Gudrun: Diese Freiheit ist einfach unglaublich wertvoll, oder?

Anna: Für mich und für die Abonnenten ist das einfach eine ganz, ganz große Wertigkeit, wenn das so stattfinden kann. Ich möchte die Freiheit haben trotzdem eine ganz, ganz eigene, saftige Kooperationsform zu schaffen, die man sieht und die spürbar ist.

Gudrun: Da ist das Abo-Modell natürlich super. Wenn ich jetzt sage, ich finde “Saftig” mega cool. Ich will auf jeden Fall wissen, was hinter Holzgeflüster steckt und ich will bei dem Magazin dabei sein. Wie finde ich dich? Wo finde ich dich?

Anna: Es gibt momentan SaftigMagazin.com mit der schönen Print-Urlaubslektüre – gebunden mit Schweizer Broschur. Aber am einfachsten ist es dort einfach die Urlaubslektüre zu bestellen, den Newsletter anzuklicken und dann kriegt man sofort Bescheid, wenn es losgeht. Das Abo für das Online Magazin kann man dann über Steady bestellen.

Gudrun: Gibt es noch einen Satz oder einen Grund, warum man unbedingt bei “Saftig” dabei sein sollte? Was macht dein Online Magazin so besonders?

Anna: Weil es Weitblick hat. Weil es jeden betrifft. Weil es Lebensgefühl und Essen und Trinken zusammenbringt. Weil es unpolitisch ist und richtig viel Spaß macht.

Gudrun: Perfektes Schlusswort! Ich bin sehr gespannt, wie sich das Magazin entwickelt. Vielen Dank für den Blick hinter die Kulissen von “Saftig”, Anna.

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