„Eine Marke braucht eine eigene Welt“ – Interview mit Art-Direktorin Christiane Schirmaier

Christiane Schirmaier ist freie Art-Direktorin aus Freiburg, seit über 15 Jahren selbstständig und spezialisiert auf Brand Design und hochwertige Printprodukte. Im Interview haben wir über Logodesign als Königsklasse gesprochen, über die Kraft von Print in einer digitalen Welt und darüber, warum Mut die wichtigste Eigenschaft für Designer ist.
Symbolbild für das Interview mit der Art-Direktorin Christiane Schirmaier

Inhalt:

Für dieses Interview habe ich mir eine Designerin ins Gespräch eingeladen, die zwei Bereiche verbindet, die im Alltag vieler Unternehmen eine zentrale Rolle spielen: Brand Design und hochwertige Printprodukte. Christiane Schirmaier arbeitet mit genau diesem Fokus. Im Gespräch erzählt sie, warum sie Markenidentitäten faszinieren, warum Reduktion im Design so entscheidend ist und weshalb Print auch im digitalen Zeitalter eine besondere Kraft hat.

Christiane, stell dich doch einmal kurz vor. Wer bist du und woran arbeitest du?

Christiane Schirmaier: Ich bin Designerin und arbeite seit vielen Jahren als Grafikdesignerin. Nach über acht Jahren in verschiedenen Design- und Werbeagenturen habe ich mich selbstständig gemacht und arbeite seitdem als freie Art-Direktorin.

Mein Schwerpunkt liegt heute auf Brand Design und der Entwicklung hochwertiger Printprodukte. Ich lebe und arbeite in Freiburg und begleite Unternehmen dabei, ihren visuellen Auftritt zu entwickeln oder weiterzuentwickeln.

Was hat dich am Brand Design so fasziniert, dass du daraus einen Schwerpunkt gemacht hast?

Christiane Schirmaier: Mich begeistert daran vor allem das Ganzheitliche. Beim Brand Design geht es nicht nur darum, etwas visuell darzustellen. Man gestaltet im Grunde eine eigene Welt für ein Unternehmen.

Man erzählt die Geschichte eines Unternehmens und formt daraus einen kompletten Auftritt, mit Logo, Farben, Typografie und Bildsprache. Die Marke bekommt dadurch ein eigenes Gesicht und eine eigene Tonalität.

Besonders spannend finde ich auch, in die Themen der Unternehmen einzutauchen: die Menschen kennenzulernen, zu verstehen, was sie antreibt, was sie begeistert und womit sie sich jeden Tag beschäftigen. Das ist immer wieder sehr inspirierend.

Gudrun Wegener: Es geht also weit über das hinaus, einfach etwas sichtbar zu machen. Es geht darum, den Kern eines Unternehmens zu verstehen und ihn visuell zu übersetzen.

Christiane Schirmaier: Genau. Und das spürt man auch in der Zusammenarbeit. Die Menschen sind ja selbst begeistert von dem, was sie tun, und erzählen gern davon. Diese Energie fließt dann auch ins Design ein.

Gibt es einen Teil deiner Arbeit, der dir besonders viel Spaß macht?

Christiane Schirmaier: Ja, tatsächlich immer noch die Logoentwicklung. Auch nach vielen Jahren finde ich das unglaublich spannend. Man hat eine komplexe Situation, viele Informationen und Inhalte, und muss daraus etwas entwickeln, das sehr einfach, klar und verständlich ist. Ohne dass dabei Emotion oder Charakter verloren gehen.

Das gilt übrigens auch für Icons oder Leitsysteme. Sehr viel Information auf ein prägnantes Zeichen zu reduzieren, ist eine echte Herausforderung.

Gudrun Wegener: Das ist im Grunde die Königsklasse des Designs.

Christiane Schirmaier: Ja, so kann man es sagen.

Woran erkennst du gutes und hochwertiges Design?

Christiane Schirmaier: Für mich ist entscheidend, ob eine Marke stimmig wirkt und ob sie eine klare Emotion transportiert. Man spricht heute oft vom „Vibe“ einer Marke, also davon, welches Gefühl sie vermittelt. Wenn man diese Stimmung wirklich spüren kann, ist das ein gutes Zeichen.

Natürlich muss eine Marke auch strategisch durchdacht und zeitgemäß umgesetzt sein. Sie sollte nicht einfach Trends folgen, nur weil sie gerade modern sind. Wichtig ist, dass die Zielgruppe sich angesprochen fühlt und das passiert vor allem dann, wenn diese emotionale Ebene stimmt.

Neben Brand Design spielt Print in deiner Arbeit eine große Rolle. Warum ist Print heute noch relevant?

Christiane Schirmaier: Ich finde, Print hat nach wie vor absolut seine Berechtigung im Marketing-Mix einer Marke. Der große Unterschied zu digitalen Medien ist die Haptik. Print kann man anfassen, erleben, fühlen. Diese physische Erfahrung schafft Nähe und Vertrauen – etwas, das digitale Inhalte nur sehr begrenzt leisten können.

Gerade in einer Welt, die von digitalen Inhalten und KI geprägt ist, kann Print eine besondere Wirkung entfalten. Ein hochwertiges Druckprodukt bleibt oft länger auf dem Tisch liegen und damit auch länger im Kopf.

Gudrun Wegener: Ich habe manchmal das Gefühl, dass Print gerade deshalb stärker wirkt, weil es seltener geworden ist.

Christiane Schirmaier: Ja, genau. Wenn man heute etwas wirklich hochwertig Gestaltetes in der Hand hält, wie eine besondere Postkarte, ein sorgfältig produziertes Printprodukt, dann bleibt das im Gedächtnis.

Und natürlich spielt für mich auch die Materialseite eine Rolle: schöne Papiere, besondere Veredelungen, Haptik. Das begeistert mich bis heute.

Welche typischen Fehler siehst du häufig im Branding?

Christiane Schirmaier: Ein großes Thema ist für mich Komplexität. Viele Dinge sind einfach zu kompliziert dargestellt. Dabei wünschen sich Menschen eigentlich eine Welt, die verständlich und klar ist. Genau hier liegt unsere Aufgabe als Designer: Inhalte zu verstehen und sie so zu reduzieren, dass sie klar werden.

Dafür muss man sich wirklich intensiv mit den Inhalten beschäftigen. Nur wenn ich ein Thema verstehe, kann ich entscheiden:

  • Was ist wirklich wichtig?
  • Was kann weg?
  • Was hilft der Kommunikation?

Das ist manchmal auch ein Prozess mit den Kunden, weil natürlich jeder sagt: „Das gehört aber noch dazu.“ Aber Klarheit entsteht immer durch Fokus und Reduktion.

Gudrun Wegener: Und exakt da liegt ja auch unsere Verantwortung als Experten.

Christiane Schirmaier: Ja. Unsere Aufgabe ist es, nicht einfach alles umzusetzen, was gewünscht wird, sondern auch zu sagen: „So könnten wir es machen, aber es wäre keine gute Idee.“

Wie gehst du ein Brandingprojekt konkret an? Hast du einen festen Prozess?

Christiane Schirmaier: Ja, ich arbeite mit einem klaren Ablauf, der sich über die Jahre bewährt hat.

1. Kennenlernen
Zuerst schauen wir, ob die Zusammenarbeit menschlich passt. Brandingprojekte sind intensive Prozesse, deshalb muss die Chemie stimmen.

2. Strategiephase
Danach startet der strategische Teil. Ich beginne meist mit einem Fragebogen, um die wichtigsten Grundlagen zu klären. Darauf aufbauend folgt ein Strategiegespräch oder ein Workshop.

Hier geht es um Themen wie:

  • Angebot und Leistungen
  • Zielgruppe
  • Positionierung
  • Markenwerte
  • Tonalität der Marke

3. Designphase
Dann entsteht das eigentliche Markendesign: Logo, Farben, Schriften und weitere Gestaltungselemente. Ich arbeite dabei gern mit Mockups, also Beispielanwendungen. So können Kunden besser sehen, wie das Design später im Alltag funktioniert.

4. Umsetzung
Im letzten Schritt werden alle Anwendungen konkret ausgearbeitet – von der Visitenkarte über Printprodukte bis zur Website. Am Ende steht idealerweise ein durchgängiges Markenerlebnis.

Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein Thema für dich. Wie kann Design hochwertig und gleichzeitig umweltbewusst sein?

Christiane Schirmaier: Ich versuche, Produkte möglichst bewusst zu gestalten, auch im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. Gerade bei Print gibt es viele Aspekte zu beachten: Papierwahl, Produktionsweise, Veredelungen oder auch die Frage, wie gezielt ein Medium eingesetzt wird.

Ein gutes Beispiel ist ein Mailing: Wenn der Datenbestand schlecht ist und tausende Exemplare im Müll landen, ist das natürlich nicht nachhaltig. Andererseits kann ein hochwertiges Printprodukt, das lange genutzt oder aufbewahrt wird, durchaus nachhaltig sein.

Und man darf auch nicht vergessen: Digitale Inhalte verbrauchen ebenfalls Energie. Nachhaltigkeit ist also immer eine Frage der sinnvollen Nutzung von Medien.

Was war dein bisher herausforderndstes Projekt?

Christiane Schirmaier: Tatsächlich mein eigener Markenrelaunch. Wenn man für sich selbst gestaltet, ist der Anspruch extrem hoch. Man kennt unendlich viele Möglichkeiten und ist schnell mit nichts wirklich zufrieden. Das kann ziemlich anstrengend werden.

Was mir in dieser Phase sehr geholfen hat, war der Austausch mit Kollegen. Dadurch kommt man aus dem eigenen Tunnelblick heraus und bekommt neue Perspektiven.

Wenn du jungen Designerinnen und Designern einen Rat geben könntest: Welcher wäre das?

Christiane Schirmaier: Ich würde sagen: Seid mutig. Traut euch, eure Ideen zu zeigen und dafür einzustehen. Mut wird langfristig meistens belohnt. Natürlich gehört Teamfähigkeit dazu und man muss auch offen für Feedback sein. Aber gerade junge Designer sollten sich nicht zu schnell verunsichern lassen.

Ein Punkt ist mir auch besonders wichtig: Lasst euch von KI nicht überwältigen. KI ist ein Werkzeug, mehr nicht. Ohne Designer kann sie kein einzigartiges Design entwickeln. Designer haben etwas, das Maschinen nicht haben: den Blick auf das große Ganze, auf Markenstrategie und auf die Konsistenz über alle Kanäle hinweg.

Wo kann man mehr über dich und deine Arbeit erfahren?

Christiane Schirmaier: Am besten über meine Website. Man findet mich aber auch auf LinkedIn oder Instagram oder ganz klassisch per E-Mail oder Telefon.

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