Designs entwerfen, die Marken sichtbar machen & eine große Papierliebe – Interview mit Designerin Annika Lind

Wie sieht der kreative Alltag einer Grafikdesignerin aus? Im Interview nimmt uns Annika Lind mit in ihren Designalltag und verrät uns, wie ihre tollen Designs entstehen.
Interview mit Designerin Annika Lind-Achtung Designer Magazin

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Gudrun: Heute habe ich Annika Lind im Interview und ich freue mich sehr das Annika da ist. Stell dich am besten selber vor. Also, Liebe Annika, wer bist du, was machst du, was für Designs liegen dir besonders am Herzen?

Annika Lind: Ja, hallo Gudrun, ich bin Annika. Ich freue mich total, hier zu sein. Ich bin Grafikdesignerin und helfe Selbstständigen dabei, authentisch sichtbar zu werden, indem ich Corporate Designs erstelle, die ihre Persönlichkeit und Werte sichtbar machen.

Gudrun: Jetzt steigen wir gleich ein bisschen tiefer ein, denn ich weiß ja von dir, dass du gar nicht immer nur als Grafikdesignerin gearbeitet hast. Du hast einfach über zehn Jahre lang Schmuck designt, Schmuck selbst hergestellt und den Schmuck auch verkauft. Das heißt, dieser ganze Bereich, wo man tatsächlich Designprodukte herstellt und dann auch selber vertreibt, der ist dir ja total vertraut. Zehn Jahre ist auch eine lange Zeit. Jetzt machst du das nicht mehr, sondern du hilfst Kunden, die auch ähnliche Sachen zum Beispiel machen. Inwiefern profitieren deine Kunden davon, dass du auch die andere Seite der Ereignisse sehr gut kennst?

Annika Lind: Ja, genau. Ich habe zehn Jahre lang Schmuck gestaltet – selbstständig bin ich seit 2011. So habe ich angefangen, das etwa zehn Jahre gemacht und kenne das Ganze daher auch von der anderen Seite. Was braucht man da für Materialien? Von Website über Visitenkarte, Flyer, mit was gehe ich da auf die Märkte und wie bekomme ich das hin, dass die Kunden mich in Erinnerung behalten und wieder auf mich zukommen und das war wirklich so das komplette Programm von Corporate Design inklusive Social Media.

Gudrun: Die ganze Bandbreite hast du quasi für dich selber gemacht.

Annika Lind: Genau, ich habe das komplette Programm also nicht nur als Grafikdesignerin für mich selber gemacht, sondern auch für ein Business, das so an sich nichts mit Grafikdesign zu tun hat.

Gudrun: Das ist ja eine ganz schöne Bandbreite. Alleine Schmuckdesign an sich ist ja schon aufwendig. Dann das ganze Marketing, Vertrieb und so weiter. Und dann auch alle Werbemittel und alles, was dazu gehört. Du warst auf jeden Fall ordentlich beschäftigt.

Annika Lind: Ja, das stimmt. Das war schon richtig viel. Hat aber auch wirklich unglaublich Spaß gemacht.

Gudrun: Hat dich das Grafikdesign nicht nur für dich selber, sondern auch für Kunden die ganze Zeit begleitet?

Annika Lind: Ja. Also am Anfang konnte ich noch nicht ganz so viel machen, weil ich nebenberuflich gestartet bin und war noch als Grafikdesignerin angestellt. Und da mögen das auch nicht alle Arbeitgeber so gerne, wenn man dann in dem selben Bereich selbstständig unterwegs ist. Ich habe dann aber mit dem Schmuckdesign gestartet, einfach weil ich da Bock drauf hatte. Und weil ich mich einfach kreativ noch mehr austoben wollte und musste. Das steckt so in mir drin. Im Laufe der Zeit ist das mit dem Grafikdesign dann einfach immer mehr geworden. Und ich bin seit 2016 auch wirklich nur noch selbstständig und nirgendwo mehr angestellt. Da war ich dann ja auch einfach frei zu tun und zu lassen, was ich wollte. Ich habe gemerkt, dass es mir mit dem Grafikdesign einfach auch richtig viel Freude macht, dass ich selbstständig an Projekten arbeite, die ich mir aussuchen kann. Und so mit Familie und zwei verschiedenen Businesses. Das war dann schon deftig und ich habe dann die Entscheidung getroffen, einfach mehr aus dem Design zu machen und bin vor drei Jahren Mitglied in der Achtung Designer Akademie geworden, was mir super gut geholfen hat.

Gudrun: Du warst übrigens die erste Designerin in der Akademie.

Annika Lind: Ich glaube, ich war echt die Allererste. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Vor gut drei Jahren war das. Wie ich mich da gefreut habe: „Ja, endlich geht’s los“. Ich bin dabei und dann war ich wirklich als Erste da. Und das hat mir so unglaublich geholfen, eben genau das zu tun, was ich wollte, mehr aus dem Grafikdesign zu machen. Vor zwei Jahren etwa habe ich dann mit dem Schmuck aufgehört. So schön wie es war, aber es hatte einfach seine Zeit.

Gudrun: Ja, und das Wertvolle für dich, was du ja darüber hinaus einfach noch mitnehmen kannst, ist, dass du die Kundenseite jetzt natürlich total gut kennst. Also wenn jemand auch wirklich so eigene Produkte verkauft. Du weißt genau, wie der sich fühlt, was der braucht, wie der tickt, welche Sorgen der mit sich rumträgt und welche Begeisterung den natürlich auch packt. Ist ja für deine Kunden ein mega großer Vorteil.

Annika Lind: Genau, eben nicht einfach nur für Dienstleistungen, sondern tatsächlich auch für Unternehmer, Unternehmerinnen, die einfach eigene Produkte oder Produkte verkaufen. Ich kann mich da gut hineinversetzen. Und ich habe da eigentlich auch immer irgendwelche Ideen.

Gudrun: Ja, das glaube ich sofort. Zum Thema Ideen. In meiner Wahrnehmung zumindest sind Onlinedesigns sehr, sehr dominant. Gefühlt alles, was so reinkommt an Jobs, sind Websites, gerne auch viel Social Media, viele Ads und so. Also einfach alles sehr im Onlinebereich. Ich weiß, dass dein Herz für Print schlägt. Da kommt natürlich dieses Handgemachte, diese Haptik, Besonderheiten, auch Strukturen ins Spiel. Das sind ja alles Sachen, die dich total interessieren und die du spannend findest. Warum ist das so?

Annika Lind: Ja, absolut. Ich mag das einfach. Also wirklich so ein Produkt zu haben, wo sich das Papier einfach spannend anfühlt, zu blättern und auch das Papier und die Farben noch zu riechen. Ich mache das einfach gerne und habe einfach ein Herz für besondere Papiere oder ausgefallene Designs und kann mich da tatsächlich auch noch austoben. Also ich mache natürlich auch viel Onlinedesign, habe aber auch noch viele Printprodukte, die ich gestalten kann. Es gehört glaube ich einfach mittlerweile zusammen. Online gehört einfach mit dazu, da kommt man nicht drum rum. Hat ja in jedem Fall auch seine Qualitäten. Online ist super, aber dieses Gefühl von: „Ich mache den Briefkasten auf und es ist etwas drin, was ich tatsächlich auspacken kann, was ich in der Hand halten kann, was so knistert, was schön ist, was wertig ist.“

Gudrun: Das macht noch mal was.

Annika Lind: Ja, genau das. Einfach wenn man Post bekommt und es auspackt. Das ist wie ein Geschenk. Das hatte ich natürlich mit dem Schmuck sehr viel mehr. Da konnte ich wirklich jeden Tag viele Päckchen packen und habe da auch viel Rückmeldung bekommen, weil ich habe das eben so gemacht, dass wenn man das erhält, ist es wie ein Geschenk auspacken. Das hat mir total viel Freude gemacht und ich bekomme auch selber gerne solche Post und ich mag auch super gerne noch ganz altmodisch Briefe oder Postkarten.

Gudrun: Ja, wie kommt das bei deinen Kunden an? Lassen sie sich gerne dafür begeistern auch so besondere Printsachen zu machen?

Annika Lind: Ja, ich habe das Glück, dass ich Kundinnen habe, die da wirklich auch Freude dran haben. Und ich kann schon hin und wieder Flyer oder Postkarten mit einer ausgefallenen Veredelung gestalten oder in besonderen Formaten oder auch mal nach ganz besonderen Papieren auf die Suche gehen. Auf die Jagd.

Gudrun: Ja, das ist schön. Ich weiß, dass du nicht nur Websites und Co machst, sondern Markendesigns und Corporate Designs spielen ja bei dir auch einfach eine große Rolle. Ich selbst biete ja keine Copyrightdesigns an, insofern ist das jetzt tatsächlich ein Hörensagen. Aber Kunden kommen nicht immer mit: „Ich möchte ein komplettes Corporate Design“, sondern gerne auch mal nur mit „Kannst du das noch mal, das bestehende Logo noch mal ein bisschen glattziehen? Kannst du die Schritte noch mal anpassen? Kannst du noch mal ein bisschen was mit den Farben machen?“ Was ja ein bisschen schade ist, denn eigentlich profitieren ja Auftraggeber immer davon, wenn sie wirklich ein komplettes Corporate Design haben und man wirklich über alle Medien, alle Designbereiche hinweg einfach ein einheitliches Erscheinungsbild haben. Was ist da deine Erfahrung und wann rätst du dem Kunden dazu, zu sagen, da vergibst du ganz viele Chancen, lass uns das doch größer und weiterdenken?

Annika Lind: Ich hatte es tatsächlich, dass jemand kommt und sagt: „Ich würde gerne hier und da eine Kleinigkeit verändern und irgendwie einen Strich am Logo und die eine Farbe vielleicht weg und dafür eine andere.“ Und wenn man sich das dann mal zusammen anschaut und durchgeht und ein bisschen darüber spricht, was sich eigentlich am Business alles verändert hat oder auch bei sich selbst, dann ergibt sich das tatsächlich oft, dass einfach ein Neuanfang oder eine größere Veränderung Sinn macht, um das Ganze einfach wirklich stimmig zu haben, aus allem Guss zu haben und dass das Ganze eben auch einfach diese Veränderung, die stattgefunden hat, wieder zu spiegeln.

Gudrun: Genau. Wir wissen alle, einfach nur eine Farbe austauschen reicht immer nicht.

Annika Lind: Nee, also wirklich, wenn man dann wirklich sich darauf einlässt, das komplett neu zu machen, das fühlt sich einfach frisch an. Es fühlt sich gut an und stimmig. Und oft ist es dann so ein bisschen so ein fauler Kompromiss, wenn man nur hier und da so ein bisschen schraubt, was manchmal auch gar nicht unbedingt so viel weniger aufwendig ist.

Gudrun: Ja, stimmt. Das vergisst man ganz schnell. Mal eben schnell das Logo ein bisschen glattziehen und dann nochmal anpassen … Und dann denkt man sich zum Schluss: „Das hätten wir schneller und einfacher mit einem neuen Logo haben können.“

Annika Lind: Ich meine, es kommt darauf an, was man macht, was für ein Business man hat, in welcher Branche man unterwegs ist. Manchmal ist es schon sinnvoller, auch ein bisschen darauf zu schauen, dass man sich zwar frisch positionieren kann, aber schon noch wiedererkannt wird. Da braucht man dann schon Fingerspitzengefühl.

Gudrun: Nachhaltigkeit und Langlebigkeit – ich weiß, dass das auch Punkte sind, die dir persönlich wichtig sind und dass man die natürlich im Designbereich auch auf ganz unterschiedlichen Ebenen einfach anwenden kann. Du arbeitest mit deinen Kunden nicht nur gerne daran, mit besonderen Papieren, mit einem besonderen Hintergedanken im allerpositivsten Sinne, sondern auch einfach so Aspekte wie Langlebigkeit, wie Nachhaltigkeit, wie Wertschätzung mit in die Sachen reinzubringen. Kannst du uns da mal ein paar Beispiele geben, dass man ein besseres Bild davon bekommt, wie du mit deinen Kunden sowas anpackst und umsetzt?

Annika Lind: Nachhaltigkeit ist ja nicht einfach nur bewusst mit Ressourcen umzugehen, sondern auch einen Blick auf das Soziale zu haben und auch auf die Wirtschaftlichkeit. Das gehört alles zusammen. Und ich schaue einfach, also man kann zum Beispiel anfangen, soll das Ganze digital sein oder Print? Wobei digital gar nicht unbedingt immer umweltfreundlicher ist.

Gudrun: Denkt man ja im ersten Moment immer.

Annika Lind: Ja, denkt man, aber es ist gar nicht so. Aber es ist einfach sinnvoll zu schauen, wie bringe ich diese Botschaft, die ich habe, am besten rüber? Was eignet sich dafür am besten? Und wenn es jetzt ein Druckprodukt ist, dann kann man einfach schauen, dass man zum Beispiel recyceltes Papier nimmt, umweltfreundlichere Farben, die sich beim Recyceln besser aus dem Papier wieder heraus lösen lassen, dass man vielleicht auf Veredelungen wie Glanzlack oder Folienprägung verzichtet.

Gudrun: Und das ja aus deinem Mund, obwohl du ein ganz großes Herz für solche Veredelungen hast.

Annika Lind: Ich weiß, ich weiß. Und das ist tatsächlich auch ein Punkt, wo ich immer wieder so ein bisschen mit mir hadere, weil ich mag zum Beispiel auch Glitzer total gerne. Ja, wenn mir einer eine Lösung, wie man das umweltfreundlich auf Papier bringt sagt, ich wäre sehr glücklich. Ja, es ist tatsächlich wirklich manchmal schwierig und ja, ab und zu habe ich tatsächlich auch Produkte, wo das einfach, ja, wo es einfach dazu gehört und dann doch draufkommt. Aber insgesamt schaue ich schon, dass man das möglichst umweltfreundlich hinbekommt. Es gibt ja auch Blindprägungen zum Beispiel.

Gudrun: Kannst du kurz sagen, was eine Blindprägung ist.

Annika Lind: Man drückt bei einer Blindprägung etwas in den Karton oder in das Papier rein. Das ist dann praktisch wie ein Muster. Das geht ja zum Beispiel auch. Oder man nimmt eben einfach ganz super tolle Papiere, wie Papier aus Gras oder was hatten wir letztens? Papier aus Elefantendung?

Gudrun: Ja, Papier aus Elefantendung.

Annika Lind: Es gibt wirklich ganz viele super tolle verrückte Sachen. Es muss nicht immer das graue Recyclingpapier sein, was man sich vorstellt, wenn man an umweltfreundliches Papier denkt. Es gibt wirklich wunderschöne Sachen. Man kann schauen, dass man Formate verwendet, die die Druckbögen besser ausnutzen, dass man da nicht so viel übrig hat, insgesamt vielleicht nicht ganz so viel Farbe und bis in den Anschnitt immer drauf bringt. Man kann aber auch ganz klein anfangen, einfach indem man vielleicht nur die 500 Flyer bestellt, die man auch braucht und nicht gleich 1000, nur weil es nur zwei Euro mehr kostet und dann schmeißt man die sowieso weg.

Dass man da so ein bisschen ein Auge drauf hat auf die Auflage, vielleicht bei einem lokalen Dienstleister bestellen, dass man die Transportwege kurz hält. Das sind alles so erste Schritte, die man einfach gehen kann. Wenn man wirklich super umweltfreundlich oder super nachhaltig drucken möchte, dann kann man sich die Seite vom Umdex anschauen. Das ist ein Umweltindex für Druckprodukte. Das ist so am Rande. Also wenn man da Interesse hat, wirklich eine zertifizierte Druckerei zu finden, die sehr umweltfreundlich arbeitet und wirklich den Blick auf all diese Dinge hat, auf die Nachhaltigkeit, dann kann man da gerne mal nachschauen. Sonst würde ich sagen, es macht einfach oder es sollte jeder das tun, was er eben gerade kann. Aber dafür zu rechtfertigen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, einfach, dass wir uns austauschen und miteinander Ideen sammeln und einfach offen daran gehen.

Gudrun: Ja, das finde ich total spannend. Jetzt bei den Beispielen, die du genannt hast, ist einfach nochmal klar geworden, wir reden nicht über alles graues Recyclingpapier oder hochglanzschön in doppelter Auflage, sondern es gibt ganz viele Feinheiten und viele Nuancen, wo man wirklich sagen kann, auch mit seinem Kunden zusammen überlegen kann, okay, was ist dir denn wichtig? Wie viele brauchst du wirklich? Wie viele Auflagen, also wie viel Stückzahl brauchst du wirklich? Vielleicht mit welcher Druckerei wollen wir gerne zusammenarbeiten? Was ist dir denn wichtig? Welche Papiere kannst du dir vorstellen? In die Kommunikation zu gehen an dieser Stelle und wirklich mal zu gucken, okay, wie können wir denn einfach nur so einen kleinen Schritt in diese Richtung gehen, ohne gleich mit erhobenem Zeigefinger irgendwas zu machen. Also nicht nur schwarz oder weiß, sondern eine Trilliarde kleine Grautöne in der Mitte auch einfach benutzen.

Wird das von deinen Kunden gerne angenommen? Also finden die das gut, wenn du einfach sagst: „Guck mal, wir können uns einfach entscheiden, was wir machen wollen? Wie sieht’s aus?“

Annika Lind: Ja.

Gudrun: Das war schön auf den Punkt. Wie sieht denn ein typischer Arbeitsalltag bei dir aus, Annika? Wenn ich mal so neugierig fragen darf, bis ich mein Interview habe.

Annika Lind: Ja, das ist eine super gute Frage. Ich glaube, so einen ganz total typischen Arbeitsalltag gibt es bei mir gar nicht. Das ist wirklich bunt gemischt und ich mag das auch so. Bevor ich morgen starte, nehme ich mir einen Moment für mich. Also zehn Minuten gehen immer. Gerne auch eine viertel Stunde, wo ich einfach entweder was hier an meinem Vision Board, was hier an der Tür hängt, male oder schreibe. Ich mache ich irgendwie eine Mini Einheit Yoga, wenn mir danach ist. Oder ich gucke einfach aus dem Fenster und trinke einen Tee. Ich höre Musik und tanze.

Gudrun: Bist du Eule oder Lerche? Gehörst du zu den Leuten, die früh aufstehen? Oder bist du jemand, der ein bisschen verzögert in den Tag rein startet?

Annika Lind: Definitiv früh. Also nicht so super früh, wie 4 Uhr morgens, aber 7 Uhr ist eine gute Zeit. Dann gucke ich auf meinen Plan, was an dem Tag so anliegt. Den habe ich eigentlich am Abend davor schon vorbereitet. Ich habe schon im Hinterkopf, was so ansteht, aber dann gucke ich wirklich nochmal da drauf und dann geht.

Gudrun: Bis wann arbeitest du so im Durchschnitt?

Annika Lind: Bis halb zwei.

Gudrun: Das heißt die Nachmittage gehören quasi der Familie, den Hobbys, dem Privatleben, allem was man so neben dem Design noch so hat?

Annika Lind: Ja tatsächlich, also bis halb zwei ziehe ich wirklich durch und manchmal vergesse ich fast zu essen und zu trinken zwischendurch, weil ich wirklich dann vertieft bin. Manchmal ist es tatsächlich auch so, dass ich nachmittags noch mal kurz etwas erledige, dass ich mir dann noch mal ein Stündchen nehme oder auch noch mal abends. Wobei so als, wie sagtest du, Lerche?

Gudrun: Ja, ja, genau.

Annika Lind: Als Lerche könnte ich jetzt zum Beispiel dann, wenn alle im Bett sind, kein Logo mehr gestalten. Dann kann ich noch ein bisschen Papierkram erledigen, wenn es noch unbedingt erledigt werden muss.

Gudrun: Aber nicht mehr kreativ und konzentriert arbeiten, sondern wirklich nur abarbeiten.

Annika Lind: Ja, kann ich total gut nachempfinden.

Gudrun: Wenn ich dann doch einmal abends noch was mache, gucke ich nächsten Morgen drauf und denke: „Das hättest du dir auch klemmen können.“ Also ich kann das nicht.

Annika Lind: Am Morgen schafft man 5 Minuten und abends hast du eine Stunde gesessen. Das macht dann echt keinen Sinn.

Gudrun: Ja, du guckst drauf und denkst dir so, was, wieso habe ich letzten Abend entschieden, dass das eine gute Designidee ist? Also wirklich.?Und das ging mir schon ganz oft so. Und irgendwann habe ich dann gesagt, okay, gut, das können wir lassen. Es bringt einfach nichts. Es bringt einfach nichts.

Annika Lind: Genau. Aber ich denke, es ist auch echt gut, wenn man sich da kennt und einfach ehrlich zu sich selber ist.

Gudrun: Was würde es dir nützen, wenn abends um 18 Uhr bei dir die Kunden sturmtelefonieren, weil sie noch irgendwas wollen? Es ist klar, du bist nicht mehr im Büro. Fertig.

Annika Lind: Dann gehe ich vielleicht noch mal ans Telefon, wenn es meine liebste Stammkundin ist, wenn irgendwie was brennt. Aber im Allgemeinen kann das eigentlich bis zum nächsten Morgen warten. Dann geht man mit frischem Kopf daran.

Gudrun: Genau, deswegen fand ich einen guten Aspekt, einfach nochmal zu sagen, man hat so seine eigene Zeit, in der man am besten funktioniert. Und da muss man natürlich, also das ist ja der große Vorteil, wie du schon gesagt hast, du kannst es dir so anpassen, dass es dann eben auch dazu passt von den Arbeitszeiten her.

Thema Trends und Weiterbildung. Wie hältst du dich auf dem Laufenden? Wie gehst du mit Trends um? Sind die für dich ganz wichtig? Oder guckst du einfach nur, dass du die Sachen so ein bisschen im Blick behältst? Wie arbeitest du da eigentlich einfach an der Stelle? Oder wie holst du dir Inspiration? Das ist ja auch immer total spannend.

Annika Lind: Es geht wahrscheinlich vielen Designern so, dass einfach nur der Alltag, wenn man durchs Leben geht, alles ist irgendwie Inspiration. Ich gucke schon auch online, da kann einem ja aber schon fast schwindelig werden, was da so an neuesten Trends oder angeblich neuesten Trends vorgestellt wird. Und ja, natürlich gucke ich und bin da auch auf dem Laufenden, was gerade so Trend ist, was abgeht, welche Farben für das neue Jahr praktisch festgelegt wurden oder was auch immer. Aber ich pflück mir einfach das raus, was passt. Was zu mi und zu meinem Stil passt, so wie ich arbeite, das pflück ich mir einfach raus. Und ja, ich bin schon auch super neugierig und probiere neue Sachen total gerne aus und lerne unglaublich gerne. Aber das Atelier ist zum Beispiel ein super Ort dafür. Da kann man sich ja auch jeden Monat austoben mit einer neuen Aufgabe und was dazu lernen. Einfach wild testen und sich mit anderen auch darüber austauschen. Ganz großer Pluspunkt. Man werkelt nicht so alleine nur vor sich hin, sondern kann auch direkt seine Sachen zeigen und Feedback bekommen und Fragen stellen.

Gudrun: Ich finde Austausch ist sowieso total wichtig. Man kann sich natürlich auch mit anderen Selbstständigen aus anderen Bereichen austauschen, aber der eigene Beruf oder die eigenen Interessen sind immer ein bisschen anders. Natürlich kann man sich auch mit Steuerberatern austauschen, aber irgendwann sind dann so Grenzen erreicht, wo man denkt, ich brauche jetzt mal Hilfe von jemandem, der weiß, was hier gerade los ist. Ich brauche einfach mal einen zweiten Kopf zum Denken.

Annika Lind: Ja, das ist echt super wertvoll. Und auch wenn man meint, dass da irgendwie Konkurrenz da wäre oder so, das habe ich noch nie so erlebt, nirgendwo. Das ist eigentlich, egal wo ich unterwegs war, immer ein sehr wertschätzender Austausch. Ich arbeite auch gerne mit anderen Designern zusammen. Ja, unbedingt. An Projekten, das macht total Spaß. Ja, aber nochmal, um auf Trends und Lernen zurückzukommen, genau, einmal das Atelier und ansonsten lasse ich einfach mich vom Leben inspirieren und mache aber hin und wieder auch noch Kurse. Ja, auch was mir da gerade gefällt. Irgendwas mache ich eigentlich immer nebenbei.

Langweilig ist mir glaube ich nie. Ja, aber einfach, das muss einfach sein. Das gehört dazu. Das ist auch wichtig. Nicht nur, also was heißt ja, an Kundenprojekten zu arbeiten, macht natürlich super Spaß und da steckt ja auch von einem selber ganz viel drin. Aber einfach nochmal so Sachen aus sich heraus, einfach so, weil man Bock drauf hat, das ist schon total wichtig.

Gudrun: Ja, und es inspiriert einen ja auch immer wieder.

Annika Lind: Das inspiriert einen immer wieder und letztendlich kommt es dann auch bei den Aufträgen einem wieder zurück. Ja.

Gudrun: Okay. Und wenn ich jetzt denke, Annika klingt super, super sympathisch und ich möchte unbedingt noch mehr von ihr sehen und wissen. Annika, wo finde ich dich online? Wo kann ich deine Sachen sehen? Wo kann ich dir folgen? Wo kann ich mit dir in Kontakt kommen?

Annika Lind: Komm mal auf einen Kaffee vorbei.

Gudrun: Okay, du willst nicht, dass jeder von den Lesern von Achtung Designer auf einen Kaffee vorbeikommt. Das wird zu viel …

Annika Lind: Auf der Website AnnikaLind-Grafikdesign.de kann man auf jeden Fall schon mal schauen. Da gibt es auch ein bisschen was zu sehen, was ich aktuell gerade so gestaltet habe. Ansonsten bin ich gerne auch auf Pinterest unterwegs. Oder auf Instagram. Auf der Website kann man im Blog ein bisschen stöbern und lesen, wenn man mag.

Und wenn man dann noch mehr von mir wissen möchte, dann kann man mir auch gerne einfach schreiben. Und wenn Interesse an der Zusammenarbeit da ist, kann man sich auch gerne einfach mal online treffen und dann zumindest virtuell mal einen Kaffee zusammen trinken. Das auf jeden Fall mal gerne, ja.

Gudrun: Super, Annika. Dann vielen Dank für diesen Einblick in deine kreative Welt. Danke, dass du uns ein bisschen mitgenommen hast und wir mal über deine Schulter gucken durften.

Annika Lind: Hat mir total Spaß gemacht. Vielen lieben Dank.

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2 Gedanken zu „Designs entwerfen, die Marken sichtbar machen & eine große Papierliebe – Interview mit Designerin Annika Lind“

  1. Schön gesprochen, liebe Annika.

    Da haben wir etwas gemeinsam mit der Erfahrung eines eigenen (Design-)Produkts. Wie schön!
    Ich habe mich Anfang der 2000er mit meinem Kinderlabel „König Hasenherz“ 10 Jahre lang ausprobiert und bin genau wie Du der Überzeugung, dass das für unsere Kund:innen ein echter Vorteil ist.
    Ich werd Dir mal auf Insta folgen. 😉

    Gudrun hat das wieder mal toll aufbereitet. Danke dafür!

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