Mein erster Design-Auftrag – Oder wetten, mein erster Auftrag war schlimmer als deiner?

Mein erster Design-Auftrag und der Weg dorthin ist eine kuriose und spannende Geschichte. Ganz sicher lief alles völlig anders, als ich es erwartet hatte. Glaubst du nicht? Dann lass dich überraschen!
Mein erster Design-Auftrag Beitragsbild

„Woohoo! Ich hab es wirklich geschafft!“ Das war so ziemlich das Erste, was ich gedacht habe, als ich endlich meinen ersten Design-Auftrag an Land gezogen hatte. Und bis es so weit war, war es ein langer und ziemlich nervenaufreibender Weg, das kannst du mir glauben.

Die Geschichte zu meinem ersten Design-Auftrag ist eine ziemlich kuriose Erfahrung und dieser erste Auftrag ist bis heute unangefochten auch mein schlimmster Design-Auftrag. Das will was heißen, weil ich inzwischen schon mehr als zwölf Jahre lang selbstständig bin.

Aber starten wir Schritt für Schritt.

Wie startet man in die Selbstständigkeit?

Die größte Herausforderung, wenn man sich als Designer oder Kreative selbstständig macht, ist nicht die eigene Website , der passende Name oder die richtige Rechtsform. Der größte Schritt, an dem sich alles verändert, ist der erste eigene Design-Auftrag. Also der Moment, wenn du wirklich Geld mit deinen Designs verdienst.

Damit steht und fällt alles, was man sich so schön und euphorisch ausgemalt hat.

Kein Wunder also, dass dieses Thema angehende Kreativschaffende besonders interessiert. Um ein bisschen mehr Licht ins Dunkel zu bekommen und damit wir alle voneinander lernen, nehme ich dich heute mit und zeige dir, wie ich angefangen habe.

Schnapp dir einen Kaffee – wir legen los!

Das rosarote Chaos vor meinem ersten Auftrag

Schon während meines Illustrationsdesign-Studiums hatte ich eine genaue Vorstellung davon, wie ich arbeiten wollte. In einem schönen hellen Atelier mit tollen Projekten und kreativen Designs, aber vor allem ohne Chef.

Also hab ich mich auch gleich nach meinem Abschluss selbstständig gemacht. Wohl gemerkt ohne Berufserfahrung, ohne einen Plan und ohne Aufträge. Rückblickend betrachtet war das völliger Irrsinn.

Da saß ich nun also mit meiner Mappe voller Arbeitsproben, in der ich natürlich jedes Bild pixelgenau ausgerichtet hatte und wusste nicht so recht, wie es nun weitergehen sollte. Aber das Rumsitzen liegt mir nicht.

Am liebsten wollte ich für Magazine illustrieren. Darum bin ich zum nächsten großen Zeitschriftenladen und hab mir alle potenziellen Magazine und die Kontaktdaten der Ansprechpartner rausgeschrieben. Mit dieser langen Liste unterm Arm bin ich dann nach Hause.

„Aber jetzt einfach so da anrufen? Ist ja auch irgendwie unhöflich, oder?“, sagte mein innerer Schweinehund zu mir. „Besser ich kündige meinen Anruf vorher an.“, dachte ich daraufhin und hab eine schicke Postkarte gestaltet und an jede Magazin-Redaktion von meiner Liste geschickt.

Der Text war in etwa: „Schönen guten Tag, ich bin … ich mache … und ich rufe Sie nächste Woche an.“ (Falls du jetzt schmunzelst und denkst also viel komplizierter, hätte es Gudrun auch kaum machen können, dann hüstel gebe ich dir heute völlig Recht. )

Ich war so unfassbar aufgeregt, als es darum ging, nun auch wirklich in den Redaktionen anzurufen, um mich und mein Portfolio vorzustellen. Immerhin hatte ich meinen Anruf angekündigt und konnte so nicht kneifen.

Aber gleich der erste Anruf war eine totale Katastrophe:

  • Ich (schüchtern): „Hallo mein Name ist Gudrun Wegener. Ich bin Illustratorin und möchte gerne Frau xyz sprechen.“
  • Sekretärin: „Die ist nicht da.“
  • Ich (zögernd): „Ahhhhmmm – Wann ist Frau xyz denn wieder da?“
  • Sekretärin (genervt): „Sie ist morgen Nachmittag wieder da.“
  • Ich (stotternd): „Ahhhh Ahhhh – Wann kann ich sie dann am besten erreichen?“
  • Sekretärin (herrisch): „Hab ich doch gesagt: morgen Nachmittag!“
  • Ich (kleinlaut): „Dankeschön, ich ruf dann morgen wieder an.“

Nach diesem Anruf war ich so eingeschüchtert, dass ich den ganzen Tag lang kein einziges Telefonat mehr geführt habe. So viel zu meinem Plan jeden Tag mindestens zehn potenzielle Auftraggeber anzurufen …

Juhu, mein erster Design-Auftrag

Da mein Einstieg in die Magazin-Illustration, nun sagen wir mal, eher verhalten angelaufen ist, brauchte ich dringend einen anderen Design-Job. Irgendeinen. Über die typischen Freelancerportale hatte ich jede Menge Bewerbungen rausgeschickt, aber Jobs ließen weiter auf sich warten. Das war ziemlich frustrierend.

Meine Rettung kam dann in Form einer typischen Stellenausschreibung im örtlichen Käseblatt. Eine regionale Firma für Medizintechnik suchte einen freien Grafiker für die laufende Erstellung von Werbemitteln. Meine Bewerbungsunterlagen waren schnell zusammengestellt und per Post abgeschickt. (Ja, dass ist schon so lange her, dass man Bewerbungen noch per Post rausgesendet hat. 😱 )

Als dann wenige Tage später die Einladung zum Vorstellungsgespräch und Probearbeiten kam, konnte ich mein Glück kaum fassen. Das Gespräch verlief unkompliziert und freundlich, die Konditionen passten gut zu meiner Vorstellung und zack war er da – mein erster Design-Auftrag.

Von Details, die ich niemals sehen wollte …

Schon bald stellte sich aber heraus, dass es im Bereich Medizintechnik und Forschung ein paar Besonderheiten gab. So muss man wissen, dass neue Techniken und Geräte natürlich nicht an lebenden Menschen getestet und erforscht werden können. Dafür gibt es sogenannte „Körperspender“, also Menschen ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stellen. So weit, so gut.

Als es aber eines Tages hieß: „Frau Wegener, wir haben neue Fotos, die bearbeitet und retuschiert werden müssen. So das es ein bisschen frischer und lebendiger aussieht.“, da ahnte ich nicht, was mich gleich erwarten würde.

Ja, es war genau das, was du gerade denkst. Fotos von Leichnamen! Im Ganzen, im Besonderen und in der Nahaufnahme.

Ich erspare dir die Details … nur so viel, dieser Design-Auftrag ist bis heute unangefochten mein schlimmster Job!

Mein Fazit zum ersten Design-Auftrag

Wenn du hier im Blog schon länger mitliest, dann weißt du, dass meine erste Selbstständigkeit gescheitert ist. So planlose und unprofessionelle Telefonate wie mit der Magazin-Redaktionen waren auch ein Grund für mein Scheitern. Wenn auch nicht der einzige. Aber ich habe daraus viel gelernt. Dinge, die mir am Anfang meiner Karriere Angst gemacht haben, gehören heute zu meiner Routine und sind dadurch sehr viel leichter geworden.

Solltest du gerade noch am Beginn deiner Selbstständigkeit stehen und du hast das Gefühl, dass gar nichts klappen will, dann kann ich dich beruhigen. Meine Geschichte hat auch sehr holprig gestartet und heute kann ich mir eine andere Art zu arbeiten gar nicht mehr vorstellen.

Wenn du auch schon länger selbstständig bist und denkst „Moment, meine Geschichte ist noch viel schlimmer, toller, kurioser als deine.“, dann teile deine Erlebnisse mit uns in den Kommentaren.

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