Spezialisten gesucht! So findest du deinen Designschwerpunkt

So findest du deinen Designschwerpunkt

Mal ein Logodesign für Handwerker, ein Webdesign für eine Anwaltskanzlei und wenn die passende Anfrage kommt, dann auch noch eine Präsentation für den Sportverein. Wenn dein Arbeitsalltag im Moment so aussieht, dann hast du ein Problem – du hast noch keinen Designschwerpunkt. Wieso bringt dich ein breites Angebot nicht weiter? Natürlich kannst du als selbstständiger … Weiterlesen

40 Business-Ideen für Designer und Kreative

40 Business-Ideen für Designer und Kreative

Du bist Designer:in? Super. Selbstständig bist du auch? Noch besser. Aber heißt das auch automatisch, dass du als Freelancer Design-Aufträge für Unternehmen umsetzt? Für die meisten Designer schon. Dabei gibt es so viele andere und vielfältige Möglichkeiten mit deiner Kreativität Geld zu verdienen. Ich hab mich auf die Suche gemacht und 40 Business-Ideen für Designer … Weiterlesen

Du willst ein Design-Business starten? Mit dieser Anleitung klappt es

Anleitung Design-Business starten-Achtung Designer Magazin

Wie wäre es, wenn du nur noch das machst, was du besonders gut kannst? Und dann bekommst du auch noch Geld dafür? Wenn du ehrlich zu dir selbst bist, willst du endlich loslegen und mit deinem Design-Business starten! Wären da nicht all die Bedenken und die Zweifel. Und die gut gemeinten Ratschläge aus deinem Umfeld, die auch nicht immer hilfreich sind. Ganz zu schweigen von den laufenden Kosten und den Rechnungen, die du dann jeden Monat zahlen musst. Und schon kommt dein Tatendrang ins Stocken und das Thema Selbstständigkeit rückt immer weiter in die Ferne.

Hör auf nur von deiner Selbstständigkeit zu träumen. Starte dein Design-Business!

Dabei musst du dich gar nicht zwischen „entweder …“ „oder …“ entscheiden. Denn so wie es viele unterschiedliche Geschäftsideen für Kreative gibt, gibt es auch unterschiedliche Wege selbstständig zu arbeiten. Du kannst zum Beispiel:

  • zu 100 % mit deinem Design-Business selbstständig sein.
  • weitestgehend selbstständig sein und einen Nebenjob haben, der Auftragslöcher auffängt.
  • halb selbstständig und halb angestellt arbeiten.
  • angestellt sein und nebenberuflich selbstständig sein.
  • oder du bist fest angestellt und träumst nur von der Selbstständigkeit.

Alles in allem gibt es also genug Möglichkeiten, dich Schritt für Schritt an das Thema Design-Business heranzutasten. Selbstständigkeit kann so vielfältig aussehen wie die Menschen, die sie gründen. Und das ist auch gut so.

Infografik - Starte deine Selbstständigkeit so, wie du willst. © Gudrun Wegener / AchtungDesigner.de

Außerdem ist es erfahrungsgemäß gar nicht selbstverständlich, von Anfang an komplett von den eigenen Aufträgen zu leben. Es braucht Zeit und Energie, sich einen Kundenstamm aufzubauen. Da kann ein Zweitjob den Druck rausnehmen, sodass du nicht jeden Auftrag annehmen musst, nur weil die Miete schon wieder fällig ist.

Aber wie fängt man denn nun an? Das verraten dir die folgenden sieben Schritte:

Schritt 1: Lege deinen Designbereich fest

Es gibt ganz viele unterschiedliche Designbereiche. Dementsprechend vielfältig sind auch die Projekte, die du für potenzielle Kunden umsetzten kannst. Hier kannst du Anfang an die Richtung für dein Design-Business festlegen, denn Spezialisten werden besser bezahlt und bekommen die spannenden Aufträge.

Frage dich schon vor deinem Start in die Selbstständigkeit, welche Designbereiche dich wirklich fordern, welche dir Spaß machen und was für Designs du für Auftraggeber umsetzen möchtest. Du kannst zum Beispiel:

  • Illustrationen zeichnen
  • Webdesign entwickeln
  • Bücher layouten
  • Corporate Designs gestalten
  • animierte Videos umsetzen
  • eigene Designprodukte verkaufen
  • etc.

Wenn es für dich schwer ist, einen Designbereich auszuwählen, kannst du auch genau anders herum an diese Fragestellung herangehen. Frage dich dafür, welche Designs du auf keinen Fall anbieten möchtest. Was gefällt dir gar nicht? Welche Designprojekte sind für dich zäh oder langweilig? Die kannst du dann alle entspannt von deiner Liste streichen.

Du musst hier an diesem Punkt deinen Designschwerpunkt noch nicht bis ins kleinste Detail benennen können. Es geht um die grundsätzliche Richtung, nicht um den einen perfekten Weg. (Den gibt es sowieso nicht.)

Schritt 2: Finde deinen ersten Designkunden

Huch! Jetzt schon in Schritt 2 geht es mit den Auftraggebern los? Ja, ganz genau. Die Arbeit mit Kunden ist das Wichtigste, wenn du dein Design-Business startest. Wie sonst sollst du wissen, ob du auf dem richtigen Weg bist.

Du hast doch schon alles dabei, was du brauchst.

  • Du weißt, wie man gute Designs gestaltet.
  • Du hast einen Rechner und die Programme, um loszulegen.
  • Du hast schon ein paar Arbeitsproben, die du zeigen kannst.

Damit kannst du starten.

Ja, ein Portfolio ist wichtig. Eine Website ist wichtig. Ein toller Name für dein Design-Business ist wichtig. Aber das alles kann noch ein wenig warten.

Und nein, es ist überhaupt kein Problem, wenn du bis jetzt “nur” drei freie Arbeiten in deinem Portfolio hast. Richtig tolle freie Arbeiten können dir sehr viel mehr bringen als zehn echte Kundenprojekte, mit denen du unzufrieden bist, weil sie dir nicht gefallen und nicht zu dem passen, was du machen willst.

Stell dir mal vor, mit wie viel mehr Energie, Motivation und Begeisterung du deine Selbstständigkeit beginnst, wenn du schon für deine Arbeit bezahlt wirst. Keine Theorie, sondern echte Einnahmen.

Wo findest du deine ersten Designaufträge?

Wenn du ganz frisch in dein Design-Business startest, kann es ziemlich herausfordernd sein, an den ersten Auftrag zu können. Meinen ersten Designauftrag hab ich in den Stellenanzeigen in unserer Tageszeitung gefunden. Das ist schon mehr als 12 Jahre her, weswegen ich nicht mehr auf Papier setzen würde, aber es gibt entsprechende digitale Varianten.

Guck mal in den Stellenanzeigen auf DasAuge, bei Twago oder anderen Jobportalen nach. Du kannst auch im Bekanntenkreis und in der Familie herumfragen, ob dort jemand von einem passenden Angebot gehört hat. Oder du guckst direkt in den ausgeschriebenen Stellen bei spannenden Auftraggebern und Agenturen nach.

Die Angebote passen nicht zu 100% zu dir? Nicht so schlimm. Hier geht es noch nicht um den perfekten Job, sondern darum das du loslegen kannst.

Schritt 3: Was kosten deine Designs?

Ein Preisschild an die eigenen Arbeit zu heften, ist schwer. Was sind deine Designs wert? Wie viel darf und kann Design kosten? Was kalkulieren denn andere Designer:innen für ein Logo, Magazin oder eine Website? Mich haben diese Fragen anfangs total überfordert.

Dabei ist es so wichtig, klare Preise für die eigenen Leistung zu haben. Wie sonst willst du deinen Auftraggebern ein Angebot machen oder eine Rechnung stellen?

Also ran an die Finanzen! Der Stundensatzkalkulator vom BDG unterstützt dich dabei, den Mindestsatz pro Stunde zu errechnen, den du brauchst. Der Vergütungstarif vom AGD gibt dir Beispielrechnungen zur Orientierung an die Hand.

Mein Tipp: Schreibe bei jedem Designprojekt mit, wie lange du für welche Phase gebraucht hast. So bekommst du ein gutes Bild davon, wie lange die Designaufträge wirklich dauern und kannst deine Preise besser kalkulieren. Mit jedem neuen Projekt wird deine Preiskalkulation so passenden.

Denn einen richtigen Preis gibt es sowieso nicht – es gibt nur deinen Preis, mit dem du dich jetzt wohlfühlst. Und mit dem legst du los.

Schritt 4: Wie heißt dein Design-Business?

Die ersten Aufträge sind fertig? Du bist dir sicher, dass du wirklich ein Design-Business starten willst. Dann braucht das Business-Kind einen Namen! Stellt sich gleich die Frage, ob du lieber unter deinem eigenen Namen arbeiten willst oder ob du einen Firmennamen haben möchtest.

Wenn du unter deinem eigenen Namen arbeitest, bist du fix fertig. Jeder Auftraggeber weiß sofort, mit wem er es zu tun hat und das macht die Kommunikation leicht. Diese Namensform eignet sich besonders für Solo-Designer:innen.

Komplexe Firmennamen oder Fantasienamen eignen sich gut für Teams oder dann, wenn du jetzt schon weißt, dass du dir später ein Team aufbauen möchtest. Hier einen passenden Namen zu finden, braucht deutlich länger.

Dir fallen tausend gute Ideen ein, aber du kannst dich nicht entscheiden? Da hilft es, noch mal zu testen, ob der Name leicht zu sagen, leicht zu erinnern und leicht zu buchstabieren ist. Was nützt dir ein cooler Fantasiename, der dann von allen Kunden ständig falsch geschrieben wird, weswegen niemand deine Website findet? Denk bei der Namenssuche auch an die passende Domain und kontrolliere, ob dein Wunschname noch zu haben ist.

Das Gute ist, dass der Firmenname nicht in Stein gemeißelt ist. Du kannst ihn später immer noch ändern, sollte er in ein paar Jahren nicht mehr zu dir und deinem Business passen.

Schritt 5: Du brauchst eine simple Portfolio-Website

Nachdem du deinen Business-Namen festgelegt hast, geht es mit der Website weiter. Und ja, ich weiß, die eigene Website kann ganz schön… herausfordernd sein.

  • Was sollst du an Arbeitsproben zeigen? Und in welcher Form?
  • Was gehört alles auf die Website?
  • Welches Design soll die Website haben?
  • Welches System ist am besten?

Und wenn du Webdesigner:in bist, wird es nicht leichter. Immerhin kannst du dann erst Recht einfach alles umsetzen, was dir in den Kopf kommt. #1000Optionen

Das Gute ist, dass für den Start eine ganz simple Onepager-Website reicht. Umfangreicher, größer und toller kannst du deine Website später immer noch machen. Wichtig ist, dass deine potenziellen Kunden auf einen Blick erkennen, welches Problem du für sie mit deinem Design lösen kannst. Für den Start reichen kurze, knackige Bereiche für:

  • Start: Welches Problem löst du für deine Kunden?
  • About: Wer bist du?
  • Leistungen: Was bietest du genau an, um das Problem deiner Kunden zu lösen?
  • Beispiele: Wie sehen deine Designs aus?
  • Kontakt: Wie kann ich dich leicht und einfach kontaktieren?
  • Rechtliches: Datenschutz und Impressum sind verpflichtend und müssen immer dabei sein

Inspiration für deine One Pager-Website gesucht? Bei Behance findest du ganz viele tolle Beispiele.

Schritt 6: Sei transparent und klar in der Zusammenarbeit mit Kunden

Es gibt Tausende großartige Designer:innen da draußen. Da brauchen wir uns gar nichts vormachen. Und egal für welchen Designbereich du dich entschieden hast, es sind schon mindestens eine Handvoll Kreative genau da, wo du hin willst. Das sind die Fakten.

Es ist unheimlich schwer, nur über die Qualität deiner Designs den Unterschied zu machen und Kunden von dir zu überzeugen. Du könntest noch versuchen, über den Preis zu überzeugen und immer das günstigste Angebot zu machen, aber in die Tretmühle willst du nicht rein. Glaube mir, da kannst du nur verlieren. Aber es gibt eine gute Karte, die ganz viele Designer:innen nicht spielen, wenn es darum geht, neue Kunden zu überzeugen und zu Bestandskunden zu machen. Und das ist die Art und Weise, wie du mit dem Kunden zusammenarbeitest.

Indem du schon bei der ersten Anfrage professionell, schnell und kompetent reagierst, kannst du positiv aus der breiten Masse herausstechen. Und dann halte die gesamte Zusammenarbeit transparent und klar. Jede Mail, jedes Telefonat, jedes Meeting kannst du leiten und deine Kunden so durch den Designprozess führen. Das hat den Vorteil für dich, dass du dir den Designauftrag so gestalten kannst, wie du ihn haben willst. Aber vor allem hat es den Vorteil für deine Kunden, dass sie sich gerne und voller Vertrauen in deine Expertenhände begeben.

Mach dir Vorlagen und Templates für das Briefing, das Kick-Off-Meeting, das Angebot, die Entwurfspräsentation usw. Das kann alles fertig sein, sodass du jederzeit die passende Vorlage aus der Schublade ziehen kannst. Wenn du das nicht selbst machen möchtest, kannst du auch meine kompletten Vorlagen nutzen und kopieren.

Schritt 7: Entwickle einen einfachen Plan für dein Design-Business

Mit all diesen Schritten, deiner Website und der Strategie für dein Business hast du den Grundstein gelegt, um auch direkt von Kunden gefunden zu werden. Anfragen landen bei dir, ohne das du selbst ständig Akquise machen musst. Und das fühlt sich so gut an!

Von jetzt an einfach nur von Idee zu Idee und von Auftrag zu Auftrag zu springen, mag verlockend klingt. Immerhin läuft dein Design-Business jetzt und verdient Geld. Ist doch super, oder?

Jein. Natürlich kannst du einfach gucken, wie sich das Ganze entwickelt und diesem Prozess freien Lauf lassen. Das ist okay, aber nicht wirklich das Design-Business, das du dir bei der Gründung gewünscht hast. Oder? Da muss doch noch mehr sein!

Statt dich nur treiben zu lassen, kannst du dein Design-Business auch ganz bewusst entwickeln und formen. Dabei brauchst du gerade am Anfang keine ausgefeilte Business-Strategie. Du brauchst keinen finalen Wegeplan mit allen finalen Zwischenstopps und Meilensteinen, sondern viel mehr einen Leuchtturm, auf den du insgesamt zusteuerst. Beantworte für dich dafür die folgenden Fragen:

  • Welche Designleistungen möchtest du zukünftig häufiger verkaufen? Was willst du weniger machen?
  • Wer ist der ideale Kunde für dich? Mit wem hat die Zusammenarbeit so gut geklappt, dass du zukünftig nur noch diese Art von Kunden haben möchtest?
  • Wie viel berechnest du für die Arbeit, die du für deine Kunden umsetzt? Entspricht dein aktueller Preis deinen Zielen oder musst du den Preis anpassen?
  • Wie viele Kunden benötigst du, um den Umsatz zu erwirtschaften, den du dir vorgenommen hast?
  • Wie kannst du mehr mit Bestandskunden zusammenarbeiten? Wo und wie findest du neue Designkunden? Wie musst du dafür dein Marketing anpassen?

Die Antworten auf diese Fragen beeinflussen deine Entscheidungen für dein Design-Business. Du machst ein anderes Marketing, wenn du deinen Lieblingskunden erreichen möchtest. Du schreibst andere Angebote, wenn du deine Leistungen und deine Umsatzziele kennst. Und mit jeder weiteren Entscheidung, bei der du den Plan für dein allerliebstes Design-Business vor den Augen hast, kommst du diesem Business auch ein Stückchen näher. In Ruhe, ganz konsequent und in deinem Tempo.

Wie findest du die Zeit, wenn du jetzt dein Design-Business starten willst?

Du bist bereit! Du willst jetzt den Sprung ins kalte Wasser wagen und dein Design-Business starten. Großartig! Herzlichen Glückwunsch zu der Entscheidung. Stellt sich nur noch die Frage, wie du die Zeit für die ersten Schritte findest. Wie kannst du den Übergang gestalten?

Wie du es schaffst, die Zeit zu finden, um in deine Selbstständigkeit zu starten, hängt natürlich stark davon ab, wo du gerade stehst. Wenn du Vollzeit in einer Festanstellung steckst und ständig Überstunden machen musst, dann hast du nur wenig Zeit für deine Gründung. Wenn du Teilzeit arbeitest, wird es schon einfacher.

Dabei brauchst du gar nicht viel Zeit jeden Tag. Du brauchst konsequent Zeit. Klar ist es leichter, ein Design-Business aufzubauen, wenn du täglich einen halben Tag zur Verfügung hast. Aber auch mit nur 1 Stunde täglich kannst du viel erreichen. Denn 1 Stunde pro Tag macht 7 Stunden die Woche und das ist schon fast ein ganzer klassischer Arbeitstag.

„Aber ich hab nicht mal diese 1 Stunde Zeit. Ich schaffe es nie, mein Design-Business zu starten.“ Wirklich nicht? Überleg mal, wann und wo du deine Zeit mit Dingen verbringst, die dich nicht weiterbringen. Ich meine jetzt nicht die Zeit mit deiner Familie oder deinen Hobbys. Diese Zeit ist wichtig und kostbar für dich und sie sollte dir erhalten bleiben.

Ich rede über die 10 Minuten, die du mal wieder bei YouTube hängen geblieben bist. Die 15 Minuten, die du auf Instagram und Facebook verdaddelt hast oder die 20 Minuten, die du jeden Tag mit suchen und nachfragen verbringst, weil du deine Projekte und Abläufe nicht effektiv organisiert hast. Davon wird dein Traum nicht wahr. Aber jetzt rechne die Minuten mal zusammen und überlege dir, was du alles in der Zeit erreichen könntest. Für dich erreichen könntest und für deine Selbstständigkeit.

Wird es einfach, sich selbstständig zu machen?

Nein, ziemlich sicher wird es dich viel Kraft und Motivation kosten. Und oft genug wirst du dich fragen, ob es die Anstrengung wert ist.

Aber dann gibt es auch die anderen Momente. Die, in denen du stolz bist auf das, was du erreicht hast. Wenn du ein großes Projekt fertiggestellt hast oder wenn Kunden dich extra noch mal anrufen, nur um zu sagen, wie zufrieden und glücklich sie mit deiner Arbeit sind. Und dann bist du zu recht glücklich darüber, dass du den Schritt gewagt hast.

Vom Wein zum Design und zum eigenen Magazin – Interview mit Anna Schumann

Interview mit Anna Schumann vom Magazin "Saftig"

Gudrun: Hallo Anna, wie schön, dass du heute bei Achtung Designer im Interview bist. Denn du hast ja einen ganz spannenden Weg hinter dir: Vom Wein zum Design hin zu deinem eigenen Magazin. Darüber wollen wir heute sprechen. Aber bevor wir loslegen, stell dich doch mal ganz kurz vor, damit die Leser wissen, wer Anna Schumann ist und was du machst.

Anna: Liebe Gudrun, vielen Dank für die Einladung zu diesem Gespräch. Ich freue mich sehr. Mein Weg ist spannend. Mein Vater hat mir damals gesagt, als ich kurz vor dem Abitur in München stand, ich sollte doch etwas mit Wein machen. Denn er trinkt so gerne Wein. Und es wäre so praktisch, wenn ich ein Weingut hätte, weil er dann einfach bei mir einkaufen könnte. Da ich schon Wein getrunken habe, dachte ich: “Ja, klingt gut, machst mal ein Praktikum.” So bin ich in der Südsteiermark in Österreich gelandet.

Die haben bekanntlicherweise sehr guten Wein. Dort habe ich als Praktikantin angefangen, war im Weinkeller, im Weingarten, habe alle Arbeiten kennengelernt und war auch im Vertrieb tätig, in der Logistik, am Kunden, im Verkauf. Das war super spannend, denn ein Weingut ist einer der wenigen Orte, wo wirklich alles vom Rohprodukt bis zum Endkunden passiert und man das selber erlebt. Und das finde ich sehr bereichernd in dieser globalisierten, sehr kleinteiligen Welt in der wir leben.

Da war ich dann sechseinhalb Jahre, bis ich mir gedacht habe, dass ich mehr erleben möchte als meinen Lehrbetrieb. Ich bin dann nach Wien gekommen und habe ein Jahr als Sales Manager gearbeitet. Das war sehr finanz- und leistungsorientiert. War nicht so mein Ding, war aber trotzdem spannend. Ich habe ganz, ganz liebe Menschen kennengelernt, die ich bis heute meine Freunde nennen darf.

Dann ging es weiter ins Burgenland, wo es einen tollen Rotwein gibt. Dort habe ich eine kleine Ortsvinothek übernommen. Also wirklich sehr, sehr beschaulich und klein. Verkauft wurden nur die Weine vom Ort und es war sehr dörflich, sehr romantisch, sehr Fuchs und Hase, die sich gute Nacht sagen.

Gudrun: Und es klingt wirklich auch sehr schön einfach.

Anna: Ja, das war es wirklich. Ich habe das sehr genossen, auch mit den Menschen zu sprechen. Ich mag es sehr, jemanden etwas zu empfehlen und herauszuhören, wer braucht was? Ich habe mir nie Namen gemerkt, aber immer, welchen Wein Sie gekauft haben.

Dann brauchte ich für die Vinothek eine Website mit Shop. Diese konnte ich mir damals von einem Designbüro oder einer Agentur nicht leisten. Deswegen habe ich mich selber dahinter geklemmt und daraus ist eine Werbeagentur geworden. Schnell habe ich dann angefangen, für Kunden Postkarten zu entwerfen und habe mich in die Programme reingeguckt und war ganz fasziniert. Auch von allem Technischen, das im Design möglich ist. Und die Kombination hat mich fasziniert – kreativ zu sein, das dann auch umzusetzen und den Nerv vom Kunden zu treffen. So arbeite ich bis heute für meine Kunden.

Die Vinothek habe ich dann aufgrund der Öffnungszeiten verlassen. Es war meistens am Wochenende, also Donnerstag bis Sonntag, offen. Ich hatte dann schon ein Kind und das hat sich einfach mit Familienleben nicht vereinbaren können.

Gudrun: Und dann warst du im Design.

Anna: Dann war ich im Design und habe daran immer mehr Freude gehabt. Ich habe auch angefangen zu illustrieren. Mit einer ganz lieben Freundin ist 2021 ein Kinderbuch daraus entstanden, das ich illustriert habe. Das hat mir gezeigt, dass jetzt die Zeit gekommen ist meine Herzensprojekte aus der Schubladen zu holen. Denn die Idee, etwas hervorzubringen in Text und Bild, was saftig ist und mit Landwirtschaft und einer enkeltauglichen Zukunft zu tun hat, gibt es schon seit elf Jahren.

Gudrun: Okay, das schlummert also schon richtig lange.

Anna: Die Frage war nur, wie umsetzen und wie kann ich etwas entwickeln, so dass es für den Markt schön anzusehen ist, Mehrwert hat und so praktisch ist, dass es diese Idee und diese Vision wiedergeben kann. Zu diesem Zeitpunkt ist mein Saftig-Magazin gekommen.

Gudrun: Man merkt auf jeden Fall schon, dass du Herausforderungen nicht scheust und das Ideen dafür da sind Realität zu werden. Kleinstapeln ist nicht so dein Ding. Das merken wir. Lass mich das noch mal zusammenfassen. Das heißt, du hast ein Magazin ins Leben gerufen, dass es als Online- und Printversion gibt. Richtig?

Anna: Momentan ist eine Printausgabe im Jahr geplant und vier Online-Ausgaben, die aber visuell so wiedergegeben werden sollen, wie ein Magazin.

Gudrun: Wieso hast du dich für den Namen “Saftig” entscheiden? Das ist ein witziger, aber auch ungewöhnlicher Name für ein Magazin.

Anna: Vor gut einem Jahr hat alles angefangen in Schwung zu kommen. Da habe ich sozusagen nach außen gegriffen und nicht nur mit mir selber diskutiert, sondern mit anderen Menschen. Und “Saftig” war ein wunderschönes Zufallsprodukt.

Es hätte anders heißen sollen, und zwar “winesign” mit englischen Titel, der dann in Deutsch sein genauso funktioniert hätte. Das habe ich dann sogar als Marke angemeldet. Bei der Recherche bin ich leider über wen gestolpert, der das schon angemeldet hatte, es aber nicht benutzte. Postwendend kam dann drei Monate später ein dickes Briefpaket von einer Anwaltskanzlei, dass ich das bitte unterlassen sollte.

Ja, da musste ein neuer Name her. Und das war für mich extrem schwierig, weil es auf der einen Seite um Wein geht, aber um ganz, ganz viele andere Produkte und auch um Landwirtschaft. Und ich wollte in keine Nische eintreten. Genau das wäre ich aber mit “winesign”.

Also es ist gut, dass es so gekommen ist, denn “Saftig” ist ein Name, der auch im englischsprachigen Raum oder auch in anderen Sprachen funktioniert. Das war mir ganz, ganz wichtig, weil ich das dann auch ab nächsten Oktober im Englischen laufen lassen möchte. Die Plattform und das Magazin und “Saftig” bedeutet einfach: Wir sind im Saft, die Produkte sind im Saft und es fließt. Es fließt, es ist saftig. Es ist was da, es ist spritzig. Es ist erfrischend. Es hat so viele Bedeutungen und es ist für jeden etwas dabei.

Gudrun: Und man merkt direkt, dass du mit vollem Herzblut dabei bist. Ich weiß, dass du als Designerin immer wieder Websites umgesetzt hast. das heißt, dass du dich mit den Chancen und Herausforderungen der verschiedenen Endgeräte und Darstellungsmöglichkeiten von Onlineformaten auskennst. Auch vor dem Hintergrund, dass du eine Mehrsprachigkeit von Beginn an mitgedacht hast. Welchen Einfluss hatte das Wissen auf dein Konzept für das Online Magazin?

Anna: In diesen Teil ist ganz viel Hirnschmalz gegangen. Ich höre mich bewusst um und viele Menschen sagen, dass sie online keine Magazine lesen. Also war das ein erster Ansatzpunkt. Ich möchte aber unbedingt ein Online Magazin machen. Wie kann ich meinen Stoff anbieten, obwohl lesen online nicht so beliebt ist, hören aber schon?

Das war so der Punkt, wo ich gesagt habe: “saftig” muss lesbar und hörbar sein. Und zwar alles. Jeder Artikel, jeder Schnipsel. Es muss die Variante des Hörbaren da sein. Und es ist ja auch weiter gedacht. Es soll ja für alle da sein. Und wenn jemand Schwierigkeiten bei der Lesbarkeit hat, dann soll das auch machbar sein, dass man das hören kann.

Gudrun: Das heißt für mich, später als Endnutzer, dass ich dann quasi online entscheiden kann, ob ich es gerne lesen möchte oder hören?

Anna: Genau. Und die Desktop oder Tablet-Variante ist so aufgebaut, dass der Text im Vordergrund ist oder dass es einen kleinen Button gibt, eben wahlweise das Audio zu nutzen. Und die mobile Variante dort ist vom Design her so gedacht, dass der Audiopart präsenter ist. Was natürlich angenehmer ist.

Gudrun: An diesen Details merkt man einfach, dass du aus der tatsächlichen Praxis kommst. Für jemanden, dem diese ganze Vorerfahrung fehlt, wäre es sicher viel schwerer diese Entscheidungen gut und vorausschauend zu treffen. Aber du hast gesagt, dass auch der Printbereich mitgedacht ist. Wie kann ich mir das vorstellen? Du sagst “enkeltauglich sein” ist so wichtig für “Saftig”, wie hast du deine Printausgaben konzipiert?

Anna: Ich habe mich zum Beispiel auf die Suche nach einer Druckerei gemacht, die “enkeltauglich” druckt. Das heißt, es wird nach dem Cradle to Cradle-Verfahren gedruckt, dabei bleibt das Printprodukt im Kreislauf, auch mit einem Recyclingpapier. Natürlich ist es trotzdem ein Printprodukt. Deswegen erscheint es einmal im Jahr. In jeder Ausgabe gibt es dann auch immer Ideen, wie man es weiterverwenden kann. In der ersten Ausgabe gibt es Ideen, dass man Wimpel aus den wunderschönen, fotolastigen Seiten machen kann, die man dann z.B. für eine Gartenparty nutzen kann.

Gudrun: War das auch einer der Gründe, warum du dich für nur ein Printmagazin entscheiden hast und ansonsten den Fokus auf Online legst?

Anna: Jein. Also ich habe sehr viel recherchiert und auch bei professionellen Verlagen nachgefragt, wie sie das sehen. Es ist teils, teils. Der Buchmarkt erweitert sich witzigerweise. Da wird mehr und mehr gedruckt. E-Books sind auch so eine Sache, die wichtig ist, aber nebenher läuft. Dieser vergrößert sich jetzt nicht wirklich. Und bei Magazinen ist es doch so, dass die Menschen etwas in der Hand haben möchten.

Ich persönlich glaube, dass es eher die Tageszeitungen sind, die mehr in den digitalen Raum schlendern. Mit täglichen Ausgaben hat man schnell einen großen Stapel Papier. Ein Überfluss, den die meisten Menschen reduzieren möchten.

Für mich fiel darum die Wahl auf die Kombination aus Print und Online. Online hat viele Vorteile, doch ich mag auch etwas in den Händen halten. Haptik ist toll. Es hat einen ganz anderen Flair. Ich bin auch schon für die nächste Ausgabe dabei zu überlegen, was ich da noch reinpacken kann, damit man dann auch das Magazinen selber benutzen kann. Gibt es irgendeine Art und Weise, wie ich das Magazin noch wertiger für meine Leser machen kann?

Gudrun: Bei der Größe, die du für “Saftig” geplant hast, ist klar, dass du das nicht im Guten alleine schaffen kannst. Es wäre verdammt viel Arbeit. Und es würde sehr lang dauern. War es für dich von Beginn an klar, dass du mit einem Team arbeiten willst? Wie bist du da rangegangen? Und wie ist der Stand der Dinge?

Anna: Also grundsätzlich war ein Team klar. Ich bin auch ein Teamplayer. Ich arbeite wahnsinnig gerne im Team. Dadurch ergibt sich eine ganz eigene Dynamik, die dann in dem wiedererkennbar ist, was man tut. Es war noch nicht klar, in welchem Verhältnis wir dann zueinander stehen – ob es Freelancer sind, professionelle Agenturen, ob ich einfach ein Teil outsourcen oder ob ich direkt Menschen anstelle.

Es ist wieder ein Mix geworden. Ich merke, ich bin eine Mix Person. Ich habe eine Mitarbeiterin, die ich für 15 Stunden eingestellt habe. Sie ist meine Inspirationsquelle, auch wenn sie einen ganz anderen Blickwinkel hat. Sie kommt überhaupt nicht aus der Branche, hat damit gar nichts zu tun. Doch sie liebt Lebensmittel, hat einen Garten zu Hause und hat auch eine ganz erfrischende Art und Weise, etwas zu sehen und neugierig zu sein. Diese Kombination aus meinem internen Wissen und ihrem erfrischenden Blick von der anderen Seite, funktioniert super. Dann habe ich noch eine Grafikdesignerin, die mir sozusagen die Reinzeichnungen macht. Mit ihr ist auch das Logo entstanden.

Dann habe ich noch einen tollen Programmierer gefunden. Er kann auch so gut wie alles, ist sehr fix und schnell und hat eine Vorstellungskraft. Seine Freundin ist Grafikdesignerin und deswegen kann ich mit ihm einfach alle möglichen durchspielen und testen, wie das aussehen soll. Das Thema Team wird noch weiter gehen. Wie sehen wir dann im nächsten Jahr.

Gudrun: Man darf ja nicht vergessen, dass du noch in den Startlöchern bist. Es ist nicht so, dass du schon 30 Ausgaben im Hintergrund hast. Du willst jetzt anfangen und was richtig Cooles auf die Beine stellen.

Anna: Genau das ist der Stand der Dinge. Ich bin so zwischen erster Printausgabe und erster Onlineausgabe, die im Oktober gelauncht wird. Und das ist auch total aufregend, weil im Hintergrund natürlich die Räder heiß laufen, wie man das jetzt alles wirklich umsetzt, was man möchte und wie das überhaupt möglich ist.

Gudrun: Anna, lass uns doch mal zum Thema Finanzen rüberschwenken. Es gibt ja ganz viele unterschiedliche Konzepte oder Ideen, wie man so ein großes Projekt finanzieren kann. Eine reiche Erbschaft über viele Millionen schließe ich jetzt bei dir einfach mal aus. Man könnte ja zum Beispiel Kooperationen eingehen, bezahlte Artikel veröffentlichen, Anzeigen schalten oder auf Affiliate setzen. Ich weiß aber, dass du dich für ein Abo Modell entschieden hast. Wenn ich sage, ich möchte unbedingt Teil ein Teil von “Saftig” sein, wie komme ich ins Abo Modell bei dir rein? Warum hast du dich für diesen Weg als primäre Finanzierung entschieden?

Anna: Es ist planbarer und ich habe die Freiheit mir Kooperationen und Werbung ganz bewusst auszusuchen. Denn wenn sich jetzt jemand ein jährliches Abo nimmt, dann habe ich schon die Vorausschau und die Sicherheit, dass das für das nächste Jahr gewollt ist. Allein zu wissen, dass jemand auf “Saftig” wartet, ist schon mal ein Antrieb.

Auch sagen zu können, dass ich Kooperationen, Anzeigen etc. aus dem ganzen visuellen Konzept so gut wie es geht rausnehme, ist ein Luxus, den ich mir aber gern leisten möchte. Ich möchte ein angenehmes lesbares und hörbares Erlebnis für die Abonnenten.

Gudrun: Du hast ein ganz klares Konzept davon, wofür “Saftig” steht. Du sagst immer “enkeltauglich”. Das hat auch großen Einfluss auf die potenziellen Firmen, mit denen du dann vielleicht später zusammenarbeitest oder mit denen du Kooperationen eingehst. Die wirst du dir sicherlich sehr, sehr gezielt aussuchen, oder?

Anna: Genau so ist es. Jede Ausgabe hat auch ihr Leitthema. Im Oktober ist es beispielsweise “Holzgeflüster”. Es dreht sich rund um Holz, Wald, Landwirtschaft, die Produkte daraus und die Menschen die damit arbeiten. Und in diesem Zusammenhang gibt es genügend Produkte und Firmen, über die man schreiben kann. Die Kooperationen suche ich mir dann hauptsächlich im redaktionellen Stil. Das heißt, ich berichte über Menschen und Produkte, aber hauptsächlich über die Menschen und die Idee dahinter, die Vision dahinter und was das im Zusammenhang mit dem Hauptthema bewirkt.

Gudrun: Diese Freiheit ist einfach unglaublich wertvoll, oder?

Anna: Für mich und für die Abonnenten ist das einfach eine ganz, ganz große Wertigkeit, wenn das so stattfinden kann. Ich möchte die Freiheit haben trotzdem eine ganz, ganz eigene, saftige Kooperationsform zu schaffen, die man sieht und die spürbar ist.

Gudrun: Da ist das Abo-Modell natürlich super. Wenn ich jetzt sage, ich finde “Saftig” mega cool. Ich will auf jeden Fall wissen, was hinter Holzgeflüster steckt und ich will bei dem Magazin dabei sein. Wie finde ich dich? Wo finde ich dich?

Anna: Es gibt momentan SaftigMagazin.com mit der schönen Print-Urlaubslektüre – gebunden mit Schweizer Broschur. Aber am einfachsten ist es dort einfach die Urlaubslektüre zu bestellen, den Newsletter anzuklicken und dann kriegt man sofort Bescheid, wenn es losgeht. Das Abo für das Online Magazin kann man dann über Steady bestellen.

Gudrun: Gibt es noch einen Satz oder einen Grund, warum man unbedingt bei “Saftig” dabei sein sollte? Was macht dein Online Magazin so besonders?

Anna: Weil es Weitblick hat. Weil es jeden betrifft. Weil es Lebensgefühl und Essen und Trinken zusammenbringt. Weil es unpolitisch ist und richtig viel Spaß macht.

Gudrun: Perfektes Schlusswort! Ich bin sehr gespannt, wie sich das Magazin entwickelt. Vielen Dank für den Blick hinter die Kulissen von “Saftig”, Anna.

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